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Fasching ruft zum Orgelspiel

In der Herz-Jesu-Kirche in Bregenz lud Organist Helmut Binder zum traditionsreichen Orgel-Fasching: mehr Schalk als Schenkelklopfer.

Barbara Camenzind

Eingefleischte Freunde der organisierten Fröhlichkeit zwischen Neujahr und Aschermittwoch können sich diese Liaison schwer vorstellen: König Fasching feierte am vergangenen Samstag seine „Verlobung“ mit der Orgel der Bregenzer Herz-Jesu-Kirche. Doch wer einen pompösen Helden erwartete, wurde enttäuscht. Der Anlass war angenehm frei von Schenkelklopfer-Attitüden. Die neckische Faschingsmaus, die im Revers des musikalischen „Kupplers“ steckte, stand für den feinsinnigen Humor, mit dem Helmut Binder sein Publikum begeisterte. Die zahlreichen Zuhörer ließen darauf schließen, dass der Hauptorganist der Herz-Jesu-Kirche bekannt ist als einer, dem der Schalk im Nacken steckt. Mit Davide da Bergamos Sinfonia in B-Dur zogen muntere Klangluftschlangen durch die Kirche, die einen sehr an Gioacchino Rossinis launige Ouvertüren erinnerten.

Vogel abgeschossen

Binders Liebe zur Volksmusik aus dem Ländle manif-estierte sich deutlich in seinen Improvisationen von Bregenzerwälder Volksliedern, den Bearbeitungen von Ländlern, in einer Bayrisch-Polka und dem Andelsbucher Galopp. Für Volksmusik-Puristen war das Hinhören vermutlich eine Herausforderung, da die mächtigen sinfonischen Töne der Behmann-Orgel ein ziemlicher Gegensatz zum Stubenmusik-Sound sind. Doch der Orgelprofi mischte äußerst klug, und so tönte es aus den Registern fast wie von der Alm, Kuhglocken inklusive.

Antonín Dvoráks Humoreske op. 101/7 war als beseeltes Highlight erlebbar, lustig muss nicht zwingend immer schräg bedeuten. Die Polka „Mutig voran“ von Johann Strauss wurde ihrem Namen gerecht. Ob gewollt oder ungewollt komisch: Die Königin der Instrumente tönte plötzlich wie ein Jahrmarktskarussell. Die Faschingsmaus – pardon, den Vogel – schoss Binder dann mit seinem zweiten Improvisationsteil ab: Auf das elegische „Yesterday“ der Beatles folgte der „Kleine grüne Kaktus“ der Comedian Harmonists, der zwischen ABBAs „I have a dream“ und Doktor Schiwago herumgeisterte. Als der Kaktus dann noch in Moll durch die Pedale hüpfte, war dem Humoristen an den Tasten das Gekicher in den Kirchenbänken sicher. Chopins Walzerseligkeit berührte auch auf der Orgel gespielt die Herzen und der prachtvolle Auszug von Louis James Alfred Léfebure-Wély schloss den Bogen zum Anfang dieser gelungen amüsanten musikalischen Liaison.

Bei der Zugabe an der Truhenorgel wurden alle Narreteien mit Johannes Brahms’„Guten Abend, gut’ Nacht“ in den Schlaf gesungen und mit einem flapsigen Tänzchen beendet. Wer braucht da eine Guggenmusik?

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