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Mörderisch im Bregenzerwald

Autor und NEUE-Kolumnist Peter Natter schickt Inspektor Isidor Ibele in seinem neuen Roman „Die Tote im Cellokasten“ wieder auf Mörderjagd. Diesmal in das idyllische Schwarzenberg.

Was ist das Mörderische am Bregenzerwald?

peter natter: Wenn es etwas Mörderisches am Bregenzerwald gibt, dann ist es das dortige Selbstbewusstsein. Das ist nämlich auf eigenartige Weise elitär. Böse formuliert könnte man sagen: hinterwäldlerisch-elitär. Einerseits koppeln sich die Menschen dort ab – Stichwort „mir san mir“ – und andererseits messen sie sich doch mit der Welt. Gerade der Konflikt um die Schubertiade ist das Ergebnis dieser fatalen Selbsteinschätzung. Wenn die Welt dann wirklich kommt, werden brachiale Mittel eingesetzt. Es ist schwer nachvollziehbar, warum man sich da nicht finden kann. Dieser Konflikt ist aber nicht mein Anliegen.

Was ist Ihnen ein Anliegen?

natter: Das Schreiben. Ich habe weder eine Mission noch eine Botschaft. Es geht auch nicht darum, jemanden einen Spiegel vorzuhalten – nicht einmal mir selbst. Da käme ich ja in die Narzissmus-Forschung. Und die ist, wie wir wissen, in festen Händen. Es geht auch nicht um eine Abrechnung mit anderen, die sich in meinen Büchern zu erkennen glauben. Ich bediene mich bloß mancher Ressourcen, die sich anbieten. Doch die werden dann immer noch abstrahiert und destilliert.

Ihr neues Buch „Die Tote im Cellokasten“ thematisiert den Konflikt zwischen Schubertiade und Landwirtschaft. Als im vergangenen Herbst dieser Konflikt zu eskalieren drohte, war Ihr Manuskript aber schon fertig.

natter: Das Manuskript war tatsächlich schon geschrieben. Aber dieser Konflikt besteht natürlich schon viel länger. Drohungen, dass die Schubertiade aus Schwarzenberg abziehen könnte, falls die Gemeinde kein Hotel baut etc., gab es schon lange. Diese Geschichten nehmen ihren Lauf und man kann schon voraussehen, wie das im Folgejahr weitergeht.

Macht es Ihnen Spaß, scheinbare Idyllen zu entzaubern?

natter: Spaß macht es nicht. Es sind trügerische Idyllen. Wenn man da genauer hinsieht, erkennt man, dass da ganz grausliche Geschichten dahinterliegen. Nicht nur in Schwarzenberg, auch um den Werkraum Bregenzerwald in Andelsbuch toben Intrigen. So etwas ist einfach ein dankbares Sujet – leider.

Ihr Inspektor Isidor Ibele wirkt wie aus der Zeit gefallen. Eine Art Gegengift zu vielem, was heute Mode ist?

natter: Einerseits sicher, andererseits bringt Ibele vieles zum Ausdruck, das mir passiert. Ich mache die Erfahrung, offensichtlich aus der Zeit gefallen zu sein. Wenn zum Beispiel die Sperrstunde eines Lokals von 6 Uhr morgens auf 4 Uhr vorgezogen wird, dann ist das für viele ein Problem, während mir das völlig fremd ist. In diesen Dingen hat Ibele am meisten von mir. Sein „Aus-der-Zeit-gefallen“ ist aber nicht schlecht, um seine Zeit zu verstehen. Wenn Ibele jemand sagen würde: Du musst jeden Tag die Zeitung lesen, damit du informiert bist, würde Ibele sagen: Lies doch mal Kant oder Goethe. Dann kannst du auch mitreden.

Mit welchen literarischen Kollegen würde Isidor Ibele gerne einmal mittagessen?

natter: Mit den einzigen zweien, die ich im Krimi-Genre gelesen habe: Studer und Maigret. Die dazugehörigen Autoren, also Friedrich Glauser und George Simenon, sind natürlich zwei, mit denen ich mich menschlich und literarisch messe. Allerdings sind die beiden eine ganz andere Kategorie. Simenons Bücher sind unerreichbar und Glauser hat mit seinem Studer eine Figur geschaffen, die mir sehr sympathisch ist.

Das wäre dann also eine Dreier-Runde?

natter: Ja, aber vielleicht sollte man mit den beiden nur einzeln ausgehen, denn ob sich die zwei verstehen würden, weiß ich nicht. Aber vielleicht würden sie sich in der Frankophilie treffen – und bei der Auswahl des Menüs gäbe es sicher auch kein Problem.

Wie entstehen Ihre Romane?

natter: Über Bilder, die wie die Spitze eines Eisbergs auftauchen. Dann tauche ich hinunter und finde die Geschichte. Bei „Die Tote im Cellokasten“ war es das Bild eines Porsches im Schwimmbad. Für mich sind meine Bücher aber eher Geschichten als Krimis oder Romane. Darum finde ich auch die Ausgabe als Taschenbuch so passend. Am liebsten hätte ich eigentlich ein richtiges Heft geschrieben. Das hätte mir von der Aufmachung her am besten gefallen.

Interview: angelika drnek

Termin: 9. und 16. 3. Lesung Peter Natter im Hotel Hirschen in Schwarzenberg. 11. 3. Lesung in der Stadtbücherei Dornbirn. Weitere Termine auf: natterphil.at

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