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„Untreue passt immer“

Der forensische Prüfbericht belastet die ehemalige kaufmännische Leiterin des Burgtheaters schwer. Direktor Hartmann weist direkte Verantwortung für Budget-debakel von sich.

Georg Springer, der Aufsichtsratsvorsitzende der Burgtheater GmbH, hatte einige Mühe, die komplexe Notlage des wichtigsten Theaters im Land verständlich zu machen. Was zuletzt blieb, sind massive Vorwürfe an die eins­tige kaufmännische Leiterin des Theaters, Silvia Stantejsky. Die Holding übermittelte am Donnerstag eine ausführliche Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft.

Den gesamten Fehlbetrag von 8,3 Millionen Euro teilte Springer in zwei Teile: Der größte Teil der Summe, 5,6 Millionen Euro, gehe auf die Umstellung der Bilanzierung zurück. Die sei abgesegnet vom Aufsichtsrat und bekannt gewesen, sagte Springer. Da Produktionen seit 2012 nicht in fünf Jahren, sondern schon in längstens drei Jahren abgeschrieben sein müssen, erhöhe sich der Finanzbedarf.

Der Rest von 2,7 Millionen Euro habe mit „dolosen Handlungen“, „Malversationen“ und „Bilanzverschiebungen“ durch Frau Stantejsky zu tun, legte Springer nahe. Die forensische Untersuchung habe zutage gebracht, dass Frau Stantejsky Belege nachträglich angefertigt und mit einer geschickten „Loch auf, Loch zu“-Taktik die Lücken im Budget zu kaschieren versucht habe. Das erkläre auch merkwürdige Überweisungen, die rund um entscheidende Stichtage erfolgten und insgesamt ein Nullsummenspiel ergaben. Der einzige Zweck war offenbar, zum Zeitpunkt der Prüfung die Bilanz zu schönen. Auch habe Silvia Stantejsky, für die die Unschuldsvermutung gilt, es unterlassen, die Niederlassungsbescheinigung ausländischer Künstler einzuholen, wodurch nun erhebliche Steuernachzahlungen fällig werden. Auf die Frage, wie er den Vorwurf nennen würde, sagte Springer: „Untreue passt immer.“

Springer mitverantwortlich

Was die Zukunft des Hauses betrifft, sagte Springer, das Burgtheater „muss und wird es aus eigener Kraft schaffen“. Der Aufsichtsrat habe dazu aufgefordert, den Schuldenberg „mittelfristig“ abzubauen. Wie das geschehen könnte, deutete Springer nur an. Man könnte die Probebühne verkaufen, auch eine Erhöhung der Preise sei nicht ausgeschlossen. Personalreduktionen sieht er ebenso als Möglichkeit wie andere „Grauslichkeiten“.

Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann, der an der Pressekonferenz lange als Zuschauer teilnahm, ist von den Vorwürfen offenbar nicht betroffen. Auf die Frage an Springer, ob er an dessen Ablöse denke, verwies dieser auf die Verantwortung des Kulturministers. Hartmann sei einst von Minister Morak berufen worden, nur der nunmehrige Minister könne ihn auch wieder abberufen. Zu dem von Ensemblemitgliedern ausgesprochenen Misstrauen ihm gegenüber sagte Springer, es gebe Dinge, die ihn mehr gefreut hätten.

Während Springer sich ausdrücklich mitverantwortlich fühlt für das, „was da passiert ist“, verwies Hartmann auf die um 30 Prozent gesteigerten Zuschauerzahlen, die den Verlust halbiert hätten, und auf die gute Reputation seiner kaufmännischen Direktorin. Er habe keinen Grund gehabt, ihr zu misstrauen, sagte der Direktor, mehr wolle er über seine ehemalige Mitarbeiterin nicht mehr äußern. Er halte nichts von dem „Ätsch-Bätsch-Spiel“, im Zuge dessen man ihm nun aus seiner Unterschrift einen Strick zu drehen versuche.

Um über die weiteren Folgen der Finanzmisere zu beraten, tritt der Aufsichtsrat schon heute wieder zusammen.

thomas götz

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