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Zeit-Lupe

Peter Natter

Kleine Olympia-Nachlese

Wie feiern (wir) Olympiasieger? Nun, vorläufig mindestens zwei Jahre lang gar nicht. Aber 2018 möchte man wieder einen Vorarlberger Olympiasieg feiern, lässt der hiesige Skiverbandsobmann wissen. Recht hat er: Träumen wird man ja dürfen. Die Frage bleibt, wie man ihn oder auch sie feiert. Vorausgesetzt man kommt vor lauter Vor-Feiern zur Siegfeier, ohne vorher abzusaufen. Aber ich will nicht lange herumreden um den meiner Ansicht nach langsam, aber sicher erkaltenden Brei. Die Frage lautet: Ist denn Olympia überhaupt noch zeitgemäß? Muss man nicht heute, wo vieles leichthin über Bord geworfen wird, auch dieses Überbleibsel aus dem alten Griechenland infrage stellen? Oder wenigs­tens das, was der Baron de Coubertin ab 1896 inszeniert hat, egal ob als Tourismuswerbung für Südkalifornien (1932) oder als Propagandamittel der Nazis (1936)?

Vieles, was vor wenigen Jahrzehnten noch heilig, wertvoll, zeitlos schien, landet auf der Müllhalde; vieles, was den Alltag der Menschen über Jahrhunderte geprägt, und vieles, was ihr Leben seit Generationen begleitet hat. Innerhalb weniger Jahrzehnte wird entsorgt, was aufgebaut und gehegt wurde in der Zeit, bevor Flexibilität in jeder Hinsicht zum obersten Motiv allen privaten, beruflichen oder zwischenmenschlichen Tuns erhoben wurde. Warum also nicht situationselastisch Olympia ad acta legen?

Ganz unrecht haben die alten Tattergreise vom IOC vielleicht doch nicht gehabt, die partout am Amateurstatus als primärer Olympiaqualifikation festhalten wollten; auch wenn der eine oder andere schwer daran getragen hat, wie etwa der „einsame Wolf vom Arlberg“ (Karl Schranz). Dafür hat er jetzt im russischen Präsidenten einen wirklich netten Freund und Tröster gefunden, oder? Ob die neuen IOC-Manager schließlich außer Mehr – Teurer – Kommerzieller auch etwas auf die Reihe bringen, darf neuerdings begründet in Zweifel gezogen werden. Ich weiß, man schlachtet nicht gerne Goldene Kälber. Auf längere Sicht gesehen aber war das noch immer ein heilsameres Prozedere, als vor ihnen in die Knie zu gehen. Wie sagt der Autor Roberto Saviano: Die totale Drogenfreigabe ist die einzige Lizenz zur Eliminierung der Drogenmafia. Was das mit Olympia zu tun hat, fragen Sie? Ungefähr so viel wie die rote und die blaue Piste im Parallelslalom, sage ich.

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