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Peter Natter

Viel Lärm ist nichts

In ihrem Alltag fühlen sich 57.000 VorarlbergerInnen durch Verkehrslärm gestört. 22.000 durch Lärm, der von den Nachbarn verursacht wird. Das ergibt in Summe, wenn man Überschneidungen, also Doppeltgestörte, berücksichtigt und ein paar andere Lärmquellen dazurechnet, über 100.000 Gestörte in Vorarlberg. Die Folgen? Unter anderem Schlafstörungen (sehr unangenehm! sehr bedenklich! Wenn die Schlaflosen noch dazu zum nächtlichen Fernsehprogramm Zuflucht nehmen: höchst gefährlich!) oder Bluthochdruck bis hin zu erhöhtem Herzinfarktrisiko der an stark und schnell befahrenen Straßen und sonstwie eingepfercht hausenden Landsleute.

Man muss kein Chefarzt und kein rund um die Uhr beschäftigter Psychiatrie-Gutachter und kein Narzissmusdiagnostiker sein, um das enorme Aggressions- oder Resignationspotenzial zu diagnostizieren, das all diesen Gestörten innewohnt. Nein, gesund ist das nicht, für die Einzelnen nicht und nicht für das Land als Ganzes.

Dann fällt noch etwas auf: Die am weitesten verbreitete Strategie gegen fremden Lärm ist offenbar wiederum die Produktion von Lärm. Eigener Lärm, Krawall, den man über Kopfhörer oder mittels Ohrenstecker injiziert, oder auch so demonstrativ wie hilflos durch externe Beschallung produziert. Kommt etwa ein Handwerker ins oder vors Haus, bringt er verlässlich ein Kofferradio, eine Soundmaschine oder Ähnliches mit, das dann mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt in erster Linie Lärm produziert. Von den Lärminhalten, etwa der Flut an Werbespots und anderem Akustikmüll, wollen wir schweigen.

Das Rezept des Philosophen? Stille, Stille, Stille. (Nicht umsonst ist die heilige Nacht eine stille Nacht, auch wenn’s lange her ist.) Außerdem sollte man sich das Sich-Wundern abgewöhnen angesichts sozialer Kälte, Gleichgültigkeit, Vandalismus, Entsolidarisierung und so weiter, denn dass die enorme Zahl der in ihrem friedlichen Dasein Gestörten sich irgendwie wehren muss, liegt auf der Hand. Wer denkt schon daran, wie viele Gestörte er produziert, wenn er mit dem Auto dahindonnert, den Rasenmäher anwirft, die Motorsäge aufheulen lässt, das Moped durch die Wohnstraße jagt, auf dem Balkon das Radio laufen lässt? Geht spazieren, Leute, lest Bücher! Seid still! Wehrt Euch!

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