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„Diszipliniere mich zum Optimismus“

Der österreichische Autor Robert ­Menasse hält beim diesjährigen Kultur-Fest Emsiana in Hohenems (8. bis 11. Mai) die Festrede. Im Interview spricht er über die Wirkung von Geschichte und die Notwendigkeit von Ideen.

Bei der Emsiana in Hohenems geht es um die Verbindung von Geschichte und Gegenwart. Was braucht es für diese Verbindung?

robert menasse: Nichts.

Nichts?

menasse: Es gibt diese Verbindung. Geschichte wirkt weiter. Das ist ein Faktum. Da muss man nichts dazu tun. Und wenn Geschichte nicht mehr weiter wirkt, dann hilft dazutun auch nichts. Dann hat sich das erledigt. Allerdings ist es schon besser, wenn man weiß, woher man kommt. Allerdings …

Allerdings?

menasse: … bin ich mir manchmal nicht mehr sicher, ob das stimmt. Schauen Sie zum Beispiel die Ukraine an. Ich dachte: Es muss doch möglich sein, die dortigen Probleme diplomatisch und realpolitisch vernünftig zu lösen. Dann habe ich ein Buch über die Geschichte der Ukraine gelesen. Es begann mit den Wikingern! Als ich fertig war, dachte ich: Es ist chancenlos. Das alles ist so verwickelt, es gibt keine Lösung.

 Ist das die These Ihrer Festrede?

menasse: Nein. Ich diszipliniere mich zum Optimismus.

Sie werden laut Ankündigung über die Schwierigkeit und Notwendigkeit, aus der Geschichte eine Idee zu machen, sprechen. Welche Art von Idee meinen Sie damit? Worin liegt die Schwierigkeit?

menasse: Es ist bekanntlich schwierig, eine Idee in die Tat umzusetzen. Noch schwieriger ist es, aus Taten eine Idee zu machen. Es passiert so viel. Es werden Taten gesetzt, es wird dauernd reagiert. Aber was ist die Idee des Ganzen? Das ist doch den meisten nicht klar.

Und worin liegt die Notwendigkeit?

menasse: Man braucht ein vernünftiges, für die meisten wünschenswertes Ziel, um weiter zu gehen. Das kann nur eine Idee sein, weil niemand wissen kann, was morgen wirklich sein wird.

Also eine Karotte vor der Nase?

menasse: Es ist ein Gerücht, dass es so funktioniert. Die Esel haben lieber Disteln am Wegrand.

Viele Menschen sind heute doch zukunftsorientiert. Was kann uns ein Blick zurück in die Geschichte lehren bzw. wie muss man in die Geschichte zurückschauen, um daraus lernen zu können?

menasse: Man kann aus der Geschichte nichts lernen. Ich habe von den Schülern der Geschichte gelernt, dass jeder die Geschichte auf seine Weise nur zur Legitimation seines Handelns interpretiert. Wenn man aus der Geschichte wirklich lernen könnte, wäre vieles in der Geschichte nicht passiert oder gemacht worden. Das hätte den Vorteil, dass heute der Stoff für die Lernenden kleiner wäre. 

Hohenems hat eine stark jüdisch geprägte Geschichte. Wie könnte diese Geschichte heute im Idealfall fruchtbar werden?

menasse: Ich weiß nicht, was der Idealfall wäre. Ich halte allerdings das Jüdische Museum in Hohenems für eine Institution sehr fruchtbarer Auseinandersetzungen damit, was fortwirkt, und auch, was nicht fortwirkt.

Der Satz „Dummheit ist machbar“ hat eine sehr eindrückliche Botschaft. Was ist eine ebenso machbare Alternative zur Dummheit?

menasse: Mein Essay „Dummheit ist machbar“ war eine Auseinandersetzung mit der seinerzeitigen Bewunderung für die so genannten „Macher“ in der Politik. Heutige Politik ist ja eher von der Haltung „Da kann man nichts machen“ geprägt. Ist auch dumm. Da sieht man es wieder: Wir brauchen eine Idee.

interview: angelika drnek

programm-highlights

Eröffnung: 8. Mai, 19.30 Uhr: Festrede Robert Menasse, Konzert von tonart sinfonietta, Markus-Sittikus-Saal.

Ernst Konarek liest Texte von Joseph Roth: 9. Mai, 18 Uhr, Jüdisches Museum.

„Dota“ gibt ein Chanson-Konzert. 20.30 Uhr, Salomon-Sulzer-Saal.

„Die Legende vom Heiligen ­Trinker“: Theaterabend im Löwensaal, 20 Uhr.

Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble: Konzert um 20.30 Uhr , Salomon-Sulzer-Saal.

Weiters: Zahlreiche Führungen, Vorträge und Ausstellungen.

Info unter: www.emsiana.at

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