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Eine Tournee zum Abschied

Das berühmte britische Hilliard Ensemble verabschiedet sich nach 40 Jahren von seinem Publikum – auch in St. Gerold.

katharina von glasenapp

Man mag es sich noch nicht vorstellen: Ende dieses Jahres, am 20. Dezember, wird das Hilliard Ensemble in London sein letztes Konzert geben. Seit seinem 40. „Geburtstag“ am 11. Dezember des vergangenen Jahres nimmt das Ensemble mit dem unverwechselbaren Klang an verschiedensten Orten der Welt mit unterschiedlichen Programmen Abschied von seinem Publikum.

Am morgigen Sonntag singen die vier Herren um 17 Uhr in der Propstei St. Gerold im Großen Walsertal. Dort, wo sie im Herbst 2012 auch ihre letzte CD „Il Cor Tristo“ aufgenommen haben.

Auch auf dieser Einspielung verbinden die Sänger Kompositionen verschiedenster Zeiten: Madrigale aus dem frühen 16. Jahrhundert von Bernardo Pisano und Jacques Arcadelt auf die Liebeslyrik Francesco Petrarcas werden verschränkt mit der dreiteiligen Vertonung „Il Cor Tristo“ von Roger Marsh, die das Hilliard Ensemble in Auftrag gab. Marsh hat hierfür Teile aus dem 32. und 33. Gesang von Dantes „Inferno“ ausgewählt. Der Dichter und sein Führer befinden sich hier im neunten Kreis der Hölle, wo die Sünder bis zum Hals in einem gefrorenen See stecken und Qualen leiden. Im Mittelpunkt steht der schaurige Bericht des Grafen Ugolino über seine Gefangenschaft im Hungerturm von Pisa. ­Marshs Vertonung dieses langen Textes scheint die eisige Kälte, die Angst und das Entsetzen zu spiegeln, nicht in schreienden Dissonanzen, sondern in einem einerseits stockenden, andererseits fließend rezitierenden Gesang, in dem nur einzelne Passagen wörtlicher Rede hervorgehoben sind. Schlichte Polyphonie der alten Musik und neue Klänge in einem sehr dichten Vokalsatz treffen hier also aufeinander.

Traurige Herzen

Das Hilliard Ensemble zieht mit seinem wie immer perfekt ausbalancierten Klang in eine archaische Welt, eine Übersetzung des Canzoniere und der Divina Commedia sollte man allerdings zur Hand haben, um die Musik in ihren Feinheiten besser aufnehmen zu können. „Il Cor Tristo“ trifft auf Dante, Petrarca, das Hilliard Ensemble und seine große Fangemeinde zu: Traurige Herzen haben wohl alle!

Am Sonntag kommt das Ensemble mit einem A-cappella-Programm nach St. Gerold, das wiederum die Jahrhunderte überbrückt. Regelmäßig haben die Sänger hier ja außergewöhnliche Programme entwickelt oder auf CD für Manfred Eichers Label ECM aufgenommen. Für viele unvergesslich sind natürlich die Konzerte mit dem Saxophonisten Jan Garbarek, die die bis dahin voneinander getrennten Welten des Jazz’ und der Alten Musik verbanden und die sich in bald zwei Jahrzehnten und inzwischen drei „Officium“-Alben stets weiterentwickelt haben. Kein Konzert, ob allein oder mit anderen, in dem man nicht staunen durfte über die Kunst der Programmgestaltung und die bestechend reine Intonation und Homogenität der Stimmen.

Restkarten für St. Gerold gibt es unter Tel. 05550/2121. Weitere Termine, unter anderem am 23. Juli in Konstanz, finden sich auf der Homepage des Ensembles: www.hilliardensemble.demon.co.uk

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