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Barocker Blues historisch interpretiert

Das Ensemble Apollo‘s Fire beschloss die heurige Saison der Bregenzer Meisterkonzerte.

michael löbl

Nicht mit einem großen Orchesterkonzert verabschiedete man das Publikum in die fünf Monate dauernde Sommerpause, nein, die Bregenzer Meisterkonzerte bewiesen Mut: Sie präsentierten zum Saisonabschluss am vergangenen Samstag im Festspielhaus das Österreich-Debüt eines amerikanischen Barockensembles mit Musik von Vivaldi, Händel und einem Stück von Jean-Philippe Rameau. Und nahmen durch ein fulminantes Konzert allen Skeptikern den Wind aus den Segeln.

Apollo’s Fire, benannt nach dem antiken Gott des Lichtes, ist der Name des 1992 gegründeten Ensembles, dessen Leiterin Jeannette Sorrell mit dem Rücken zum Publikum am Cembalo stehend dirigiert. Bemerkenswert ist nicht nur die musikalische Energie der 15 Musiker, auch ihre erstaunliche Homogenität und das stets spürbare Prinzip der „barocken Klangrede“ mit allen nur denkbaren Artikulationsvarianten und dynamischen Kontrasten lassen keine Sekunde Langeweile aufkommen. Wie allen Ensembles, die auf historischem Instrumentarium spielen, fehlt es dem Klang ein wenig an „Body“, aber dafür kann das Ensemble nichts, mehr Sound ist aus Streichinstrumenten mit Darmsaiten und Barockbögen einfach nicht herauszuholen. Ihre Version von Vivaldis „La Folia“, diesem barocken Blues, zu dessen einfacher Basslinie unzählige Komponisten Variationen beigesteuert haben, begeisterte das Publikum.

Im Bann

Sandrine Piau ist ein Star in der Alte-Musik-Szene. Verblüffend, wie es der französischen Sopranistin gelingt, schon mit wenigen Tönen den ganzen Saal in ihren Bann zu ziehen. Glockenrein ist ihre Stimme, weich und biegsam auch in den höchsten Lagen, klug und geschmackvoll der Einsatz des Vibratos. Höhepunkte des Abends waren die beiden Händel-Arien „Piangerò“ (aus Giulio Cesare) und „Lascia ch’io pianga“ aus der Oper Rinaldo als Zugabe.

Nach all diesen wohlverdienten Superlativen muss aber auch ein grundsätzlicher Gedanke zur Verwendung historischer Instrumente in einem modernen Konzertsaal gestattet sein. Die Entwicklung der Instrumente vom Barock zu unserem heutigen, modernen Instrumentarium geschah ja nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil die alten Instrumente die immer größer werdenden Konzertsäle akustisch irgendwann nicht mehr ausfüllen konnten. Und so machten sich die Instrumentenbauer daran, aus Streich- und Blasinstrumenten immer mehr Klangvolumen herauszulocken.

Wenn man jetzt die Zeit zurückdreht und auf alten Instrumenten (oder identischen Nachbauten) spielt, müssten konsequenterweise auch die dazugehörigen historischen Räume in dieses Konzept einbezogen werden. Ein Konzert im Bregenzer Festspielhaus mit seinen 1700 gut gepols-terten Sitzen ist im Grunde genommen eine Pervertierung der Idee „historische Aufführungspraxis“.

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