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Klangspuren der großen Stadt

In der KUB-Arena in Bregenz musizierten am vergangenen Samstag Musiker des International Contemporary Ensembles und brachten Kompositionen von John Zorn mit.

barbara camenzind

Musik aus New York, der City, die niemals schläft: Das International Contemporary Music Ensemble ICE entführte das KUB-Arena-Publikum in die Welt der neuen Klangwege. Und stellte es vor akustische Herausforderungen. Das temporeiche Programm der New Yorker Musiker bewegte sich fernab der dur/moll-gewohnten Highways des Mainstreams und passte provozierend in die berückende Kargheit des Zumthor-Gebäudes. Zeitgenössische Musik hat es nicht nötig, sich anzubiedern.

Mit diesem Selbstbewusstsein eröffnete die ICE-Managerin und Flötistin Claire Chaise mit einer Reminiszenz an die jüngere Vergangenheit: Edgard Varèses „Density, 21.5“, 1936 komponiert, gilt als Meilenstein der Flötenmusik des 20. Jahrhunderts und weist mit dem Einsatz von Klappengeräuschen weit in die Zukunft der „Welt der schönschrägen Klänge“. Die beiden Werke des im Big Apple agierenden musikalischen Grenzgängers John Zorn, ein komponierender Tausendsassa zwischen Improvisation, Neuer Musik, Jazz und seiner klingenden jüdischen Herkunft, bildeten die Eckpfeiler des Programms. „The Tempest – Das Gewitter“ und „Baudelaires“ gehören zu seinen „New Art Music“ genannten Werken. Vielleicht waren die Jazzfans im Publikum etwas enttäuscht, dass das Ensemble keine seiner eher eingängigeren Stücke spielte. Doch die Radikalität der Tonstrukturen, die vielschichtigen Beats in den Perkussionspatterns faszinierten, verstörten und gingen in den Bauch, bevor man überlegen konnte, ob diese Musik schön sei oder nicht.

Fazit: New York ist schneller als der Verstand und John Zorn zeichnet mit ratternden, rasend-virtuosen Bläsersequenzen eine musikalische Landkarte der Stadt. So verwunderte es nicht, dass sein Zugang zum französischen Dichter Charles Baudelaire gnadenlos direkt, jedoch nie plump illustrierend wirkte. „Baudelaires“ greift den morbiden Duktus des Schöpfers von „Die Blumen des Bösen“ auf und hält dem Poeten des Abgrunds einen ungeschönten, betroffen machenden, modernen Spiegel vor – einmal mit einem lasziven Walzer, dann wieder mit dunkelfarbig geprägten Choralpartien, begleitet von Cembalo und Klavier. Das letzte Wort gebührte der Bassklarinette.

Weltklassetruppe

Als weiteres Highlight des Abends konnte man „Shadowgraph“ erleben, ein Werk des ebenfalls aus der Improvisationsszene stammenden Georg Lewis. Die flirrende „Schattenmusik“ schien wie geschaffen für die KUB-Arena, das Ensemble wusste den Raum geschickt für sich zu nutzen, indem Saiteninstrumente und Bläser sich einander gegenüber gruppierten. Daneben wirkten „Variables“ von Maria Stankova und „Magnets“ von Sam Pluta etwas bemüht und in ihrer Ausformung reichlich hölzern, karg und brav, was den Werken, nicht den Ausführenden angelastet werden muss. Liebhaber der neuen Klangwege kamen an diesem Abend in den Genuss einer Weltklassetruppe, die seit zwölf Jahren Enormes leistet und eine Vorreiterrolle einnimmt im Bemühen, sich als „Laboratorium“ für Komponisten zur Verfügung zu stellen. Dass das Bregenzer Publikum vielleicht nicht immer mitkam mit ihrer selbstverständlichen Schnelligkeit, sah man der sympathischen Truppe bestimmt nach. New York schläft nirgendwo.

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