Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Am liebsten ohne Dirigent

Alexander Lonquich und das Orchestra da Camera di Mantova musizierten im Rahmen von „Dornbirn Klassik“.

michael löbl

Der in Trier geborene Pianist Alexander Lonquich spielt Mozart und Beethoven am liebsten ohne Dirigent und leitet das Orchester vom Flügel aus selbst. Auf dem Programm am vergangenen Mittwoch im Dornbirner Kulturhaus standen zwei Ouvertüren von Beethoven mit sehr hohen Opuszahlen (115 und 113), wobei man zumindest bei der ersten („Zur Namensfeier“) verstand, warum sie so selten aufgeführt wird. Dazu Klavierkonzerte von Beethoven und Schostakowitsch sowie Zoltan Kodalys „Tänze aus Galanta“.

Mit Kodalys Geniestreich präsentierte sich Alexander Lonquich zumindest als Dirigent in Bestform. Da hatte er außergewöhnlich detailliert und intelligent gearbeitet, jede Nebenstimme war zu hören, der Schluss wurde nicht zur alles verschlingenden wilden Raserei. Lonquich hielt das Tempo zurück, genau richtig, um alle Synkopen und was sich sonst noch alles im Orchester tut, hörbar zu machen. Trotz der relativ kleinen Besetzung des Ensembles (besonders hervorzuheben sind die Holzbläser!) machte das einen tollen Eindruck.

Mit einer Prise Humor

Allerdings musste das Publikum bis zur Zugabe warten, um auch den Pianisten Lonquich in Bestform zu erleben: Mozarts G-Dur-Konzert KV 453, letzter Satz. Da war sie plötzlich, diese ganz spezielle Art, Klavier zu spielen, die überlegene Musikalität, der spezielle, kühl-glasklare Klang, rhythmisch federnd, gewürzt durch eine Prise Humor.

Zuvor, bei Beethovens ers­tem Klavierkonzert, hatte man den Eindruck, Pianist und Orchester sind noch nicht so richtig in Stimmung. Natürlich gab es wunderbare Momente, vor allem im zweiten Satz und in den beiden großen Kadenzen, mit denen Lonquich daran erinnerte, welch außergewöhnlicher Improvisator Beethoven gewesen sein muss. Auch das zweite Klavierkonzert von Dimitri Schostakowitsch, ein köstliches Stück mit einem zum Heulen schönen langsamen Satz, hätte noch eine Portion mehr an Ironie und Witz vertragen.

Akustikexperiment

Vom Großteil des Publikums vermutlich unbemerkt, fand darüberhinaus ein interessantes Akustikexperiment auf der Bühne statt. Nach der klassischen Wiener Aufstellung im ersten Konzertteil (zweite Geigen rechts vom Dirigenten, Bassgruppe links) wechselte das Orchester nach der Pause zur amerikanischen Sitzordnung, nun mit den Celli rechts vorne und den Bässen dahinter. Im direkten Vergleich bekommt man das ja nie zu hören – und der Vergleich fiel eindeutig aus: Im zweiten Teil klang das Orchester eindeutig besser, runder, breiter, aber auch homogener als im ersten.

Die Besucher wollten Alexander Lonquich so schnell nicht gehen lassen und erklatschten sich noch ein Nocturne von Frédéric Chopin als weitere Zugabe.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.