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Einchecken in die Pension Europa

Das aktionstheater ensemble widmet sich nichts Geringerem als dem Konstrukt Europa und forscht nach, wer dort wirklich wohnt – und wer nicht.

angelika drnek

Nach der fulminanten „Werktagsrevolution“, die das aktionstheater im Rahmen des letztjährigen „Bregenzer Frühlings“ anzettelte, steht heuer die „Pension Eu­ropa“ am Programm. Der Titel des Stücks, das heute auf der Werkstattbühne des Bregenzer Festspielhauses zur Uraufführung gebracht wird, zeigt einen nicht unwesentlichen Aspekt des Stücks auf. Auf einem Text von Claudia Tondl und Interviews von Regisseur Martin Gruber basierend, nähert sich das aktionstheater dem großen Begriff Europa vom Kleinen, Individuellen, Intimen her an. „Wir zeigen Menschen, die in diesem Europa leben – in all ihren Nöten, Vielschichtigkeiten, unreflektierten Rassismen und Sehnsüchten“, erklärt Gruber. „Denn“, erklärt er weiter, „letzlich kann man so ein Konstrukt auch politisch nur dann verstehen, indem man die Individuen versteht.“ Dabei geht es auch darum, die Bedürfnisse aller aufzuzeigen – nicht nur jener, die die stärkste Lobby hinter sich haben. Dass heute Abend nur weibliche Darsteller auf der Bühne stehen werden, soll auch eine gewisse Intimität generieren. In dieser Atmosphäre entstehen Situationen, in denen die Figuren das Außen immer wieder in ihre Betrachtungen über das Eigene miteinbeziehen.

Doch Moralisieren ist Grubers Sache nicht. Er will kein „nettes Multi-Kulti-Stück“ machen. „Auch dieser Toleranzbegriff kotzt mich an“, sagt er. Wesentlich sei es, sich selbst zu begreifen und das auch dem anderen zuzugestehen. „Nur so kann ich das Ganze begreifen“, meint er.

Paradies und Grenze

Eine wesentliche Rolle in der Pension Europa spielen auch die Begriffe Utopie, Paradies und Grenze. Claudia Tondls Text kreist um die damit verbundenen Sehnsüchte und gibt den sechs Schauspielerinnern und der Sängerin Aisha Eisa, die kurzfristig für den schwer erkrankten Pete Simpson einsprang, Material, um sich sowohl durch die Utopie Europa als auch durch die eigenen, immer wieder dem Scheitern ausgesetzten Vorstellungen vom Paradies durchzugraben. Immerhin ist das Paradies auch deshalb so paradiesisch, weil es keine zeitliche Beschränkung darin gibt. Und wer weiß schon, wie lange wir es uns noch gemütlich machen können in der Pension Europa? Musikalische Unterstützung erfährt das Ensemble durch den Jazzmusiker Peter Herbert.

„Pension Europa“ (UA): heute und morgen, jeweils 20 Uhr. Werkstattbühne Festspielhaus Bregenz.

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