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Beunruhigend erst auf den zweiten Blick

Die Ausstellung „Fantome der Freiheit“ von Copa & Sordes versteckt Bedrohliches im Idyll.

inge el-himoud-sperlich

Wer sich für 80 Euro einen Meter Zaun abschneidet, beteiligt sich am symbolischen Abriss von Zäunen in der Flüchtlingspolitik und unterstützt damit zukünftige Projekte des antirassistischen Kulturraums „bblackboxx“. Das Basler Künstlerpaar Birgit Krueger und Eric Schmutz, das seit 1995 unter dem latinisierten Namen Copa & Sordes zusammenarbeitet, machte im Oktober 2013 dieses Angebot. 657 Meter, so lang wie die Zaunanlage rund um die Asylanlage Bässlergut in Basel ist, war der hübsch bedruckte Damaststoff lang. Jetzt sind in der Bregenzer Galerie Lisi Hämmerle noch mehrere Meter davon zu sehen. Außerdem Zeichnungen, die als Vorlagen für die Digitaldrucke dienten, und drei Videofilme. Einer davon zeigt 60 Minuten lang Schnecken, die an einem Blumenstrauß und der Statuette eines störrischen Ziegenbocks hochkriechen. Das Summen von Bienen begleitet dieses recht morbide Stillleben. Gemälde zeigen Schleierwolken vor hellblauem Himmel, welche auf den gedruckten Stoffbahnen hinter dem goldenen Zaun wieder zu entdecken sind.

Drohnen

Der Druck auf dem kostbaren Damast zeigt einen mit goldenen Rosetten verzierten Zaun vor blauem Himmel. Rosen, Tulpen, Nelken sowie Früchte stecken in ihm. Bienen sind zu sehen und auch Apollon, griechischer Gott der Künste und der Bogenschützen, tritt auf. Auf den ersten, flüchtigen Blick ein hübsches Muster. Doch der Draht des Zauns ist mit rosa Dornen besetzt, Videokameras stecken in den Köpfen der Bienen, es sind also Drohnen und mechanische, goldene zartgliedrige Drohnen spähen ebenfalls aus. Die Früchte sind angeschimmelt und angefault. Ein grünlich schimmernder Wurm schaut aus einem Loch im Apfel. Es steckt der Wurm in dieser Idylle. Copa & Sordes verquicken hintergründig allerlei: „Superwillis“ Apfel und den störrischen Ziegenbock Zottel, allerlei neugierige Drohnen und Apollon, der auch der Gott der Mäßigung ist. Das Wort Damast leitet sich von der syrischen Hauptstadt ab. Gewoben wird er in Vorarlberg und exportiert vor allem nach Westafrika. Drei Bilder einer Serie, die ebenfalls jetzt bei Lisi Hämmerle zu sehen ist, zeigen einen Senegalesen an seiner Nähmaschine. Er lebt in Marseille, näht bunte Kleider, flickt Jeans und näht, sichtbar widerwillig, auf Wunsch auch einen schwarzen Ganzkörperschleier.

Birgit Krueger, die 1967 in München geboren wurde, in Lausanne und Basel Medizin und anschließend in Wien Kunst studierte und an der Akademie in Bern lehrte, sowie Eric Schmutz, 1962 in Zofingen/ Schweiz geborener Linguist und Historiker, umkreisen sanft die gegenwärtigen Probleme um Migration, Welthandel, Integration und Menschenwürde am hübschen Beispiel von Damast.

Die Ausstellung „Fantome der Freiheit“ läuft bis 31. Mai.

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