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Eiscreme und Rosenkranz

Mozart und Jacques Ibert ­bestimmten das Programm des fünften und ­letzten Abokonzerts der Symphoniker-Saison.

anna mika

Es war das letzte der Abonnementkonzerte des Symphonierochesters Vorarlberg, das aufgrund des Neubaus des Montforthauses im Festsaal des Landeskonservatoriums stattfand. Dieser ist ein wunderbarer Saal für kleine Besetzungen, er stößt jedoch sowohl akustisch als vom Platz her an seine Grenzen, wenn es ein Orchesterkonzert sein soll.

Zudem musste jedes Programm zweimal gespielt werden, um alle Abonnenten unterzubringen. Bevor das neue Monforthaus in Jänner eröffnet wird, finden die beiden ersten Konzerte der neuen Saison ausschließlich in Bregenz statt, darunter die sehnsüchtig erwartete Fortsetzung des Mahler-Zyklus’ durch Kirill Petrenko im September.

Doch wenden wir uns dem aktuellen Konzert zu, das Donnerstag und Freitag abends in Feldkirch stattgefunden hat und am Sonntag nochmals in Festspielhaus Bregenz erklingen wird.

Atemlos

Mit Werken von Mozart und dem französischen Neoklassiker Jacques Ibert war es bewusst schlank und somit für den Saal passend zugeschnitten. Mozarts dreisätzige Pariser Sinfonie eröffnete das Programm. Im ersten Satz klang vieles etwas atemlos, was sich im Andante jedoch beruhigte und zu schön ausgesungenen Phrasen führte.

Den ganzen Abend lang legte der Dirigent Gérard Kosten sein Augenmerk auf eine sehr differenzierte Dynamik, was gerade bei der Musik Mozarts überaus wertvoll ist und wesentlich zu einer lebendigen Interpretation beiträgt. Übrigens bezeugt ein Brief Mozarts aus Paris nicht nur die erstaunliche Tatsache, dass in die Musik hinein Beifall geklatscht wurde (wie heute im Jazz), sondern auch, dass der damals 22-jährige Komponist aus Erleichterung über den Erfolg nach der Uraufführung sich ein „gutes Gefrornes“ gegönnt hat und einen Rosenkranz gebetet hat – Letzteres war die Erfüllung eines Gelöbnisses, denn Paris war kein leichtes Pflaster für Musiker.

Eine „gmahte Wiesn“ hingegen fand der Flötist Eugen Bertel für seinen Auftritt vor. Als beliebter und musikalisch hochgeschätzter heimischer Musiker war er getragen von Sympathie aus den Reihen des Orchesters und des Publikums. Doch das verführte ihn nicht, es sich leicht zu machen. Im Gegenteil wählte er eines der schwierigsten Konzerte für sein Instrument, das 1934 entstandene Flötenkonzert von Jacques Ibert. Bertel bewältigte die großen virtuosen Anforderungen mit Bravour und ohne je den schönen runden Klang zu verlieren, der seinem Spiel eigen ist. Wirkte der erste Satz über Strecken noch etwas nervös, so gelangen die beiden anderen Sätze auch musikalisch fabelhaft. Im zweiten erstand die Stimmung einer südlichen Sommernacht, in die hinein die Flöte, mitunter im Duett mit Solovioline und Horn, ihre Melodiebögen ausspann. Der dritte Satz changierte spannungsgeladen zwischen percussiven und perlenden Klangfarben.

Höhepunkt

Als Dank für den großen Beifall spielte Bertel Debussys „Syrinx“. Noch einmal kam Ibert nach der Pause zu Wort, mit der harmlosen Petitesse „Hommage a Mozart“, bevor der Abend seinem Höhepunkt zusteuerte mit Mozarts Es-Dur Sinfonie KV 543. In diesem großartigen Werk formulierten Korsten und seine Musikerinnen und Musiker jede Phrase sorgfältig aus, ließen sich und den Hörern Zeit zum Atmen, ohne je an Spannung zu verlieren.

Im wundervollen letzten Satz ließen sie das lebhafte Grundmotiv durch alle Instrumente laufen, warfen sich, als wäre es ein Leichtes, die Bälle mit unglaublicher Präzision zu. Die Freude war groß im Publikum.

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