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Nostalgische Zukunftsklänge

Die Kult-Band Kraftwerk präsentiert eine Werkschau im Wiener Burgtheater.

Kraftwerk – für Electronica in etwa so stilbildend wie die Beatles punkto Popmusik – gastierten (und gastieren noch) im Rahmen der „Wiener Festwochen“ im Burgtheater. Acht Alben in acht Konzerten an vier Tagen – eine umfassende Werkschau, die aber auch die Grenzen des Kollektivs aufzeigt: Das etwas starre Konzept der selbst ernannten Mensch-Maschinen hat mittlerweile etwas Nostalgisches.

Als die Düsseldorfer 1974 mit „Autobahn“ die US-Charts­ und die Herzen fast aller Kritiker eroberten, waren die Grundsteine für gleich mehrere Genres gelegt: Vom Art-Rock eines David Bowie (Heroes) über die synthetischere Spielart der New Wave bis hin zu Techno, House und Ambient schöpften ganze Heerscharen von Musikern und Produzenten aus den Oeuvre­ von Ralf Hütter, Florian Schneider, Wolfgang Flür und Karl Bartos, jener „klassischen Besetzung“, die Mitte der 70er- bis Mitte der 80er-Jahre die Meilensteine der Band (TEE, Mensch-Maschine, Computerwelt) einspielte.

Mittlerweile begleiten jüngere Techniker/Musiker den 68-jährigen Hütter, der es noch einmal wissen will und – von den ersten drei „Krautrock“-ähnlichen Platten abgesehen – sämtliche Kraftwerk-Ergüsse im altehrwürdigen Burgtheater aufführt. Ein passend gewähltes Ambiente, denn so innovativ Liebeslieder wie „Ohm, sweet Ohm“ oder Tanzhymnen wie „Taschenrechner“ ehedem waren, so altbacken klingen gerade die späteren Songs der Tüftler aus den Kling-Klang-Studios.

Optische Spielereien

Während Klassiker wie „Autobahn“, „Radioaktivität“ (wobei das später hinzugefügte ›stoppt‹ eine ärgerliche Anbiederung an den Zeitgeist darstellt), „Die Roboter“ oder „Nummern“ immer noch frisch klingen, gaben Kraftwerk spätestens Ende der 80er das Zepter an ihre Ziehkinder ab. Mehr wie „Boing Bum Tschak“, eine Single, die so klingt, wie sie heißt, wollte ihnen dann nicht mehr einfallen und man verlegte sich daher eher auf optische Spielereien, auf soundtechnische Feinheiten oder gleich aufs Radfahren. Dennoch: In Anbetracht der ersten zehn Band-Jahre kniete das Auditorium vor Hütter & Co. nieder und bejubelte das ehedem zukunftsweisende und nunmehr angestaubte High-Tech-Spektakel. Eh klar: Was war’n wir da noch jung!

raimund jäger

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