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Zeit-Lupe

Peter Natter

Wurst und Elfenbein

Was es mit dem Strohfeuer namens Eurovision Song Contest auf sich hat, demonstriert am deutlichsten der ORF. Das ESC-Siegerle ist ja auch sein Kind. Das Kind des ORF ist Conchita Wurst, nicht das Kind Österreichs. Der ORF hat ihn dorthin geschickt, niemand sonst. Man kann das nicht laut genug sagen. Worum handelt es sich wirklich bei der glitzernd-bärtigen Angelegenheit, die so strohfeuerartig hochstilisiert wird zur Frage von Auf- oder Untergang des Abendlandes (was sie beides nicht ist), bei der Angelegenheit, in der mit hehren Begriffen wie Toleranz, Frieden und Freiheit wie toll agiert wird? Der ORF gibt Auskunft darüber, indem er verlautbart, die 20 Millionen Euro für den nächstjährigen ESC, den uns (hat uns jemand gefragt?) der heurige Sieg eingebrockt hat, seien sehr wohl zu stemmen. (Warum zahlt’s nicht der Red-Bull-Milliardär, der für alles blecht, was Gott und der Welt nichts nützt?)

Es ist derselbe ORF, der jüngst einen läppischen Betrag für das Klagenfurter Literaturfest (warum schreit Michael Köhlmeier nicht?) nicht mehr aufzubringen imstande zu sein meinte, der das Kulturhaus in der Wiener Argentinierstraße nicht mehr finanzieren kann, der an allen Ecken und Enden journalistische und künstlerische Qualität reduziert, gänzlich ohne die geringste Rücksicht auf Toleranz, Frieden oder Freiheit. Nur das kommerzielle, apolitische und damit asoziale Riesenspektaktel ESC muss durch.

Ich habe keine Lust und keinen Grund, mir die Finger zu verbrennen am schönen Conchita und seiner Show; aber wenn jetzt Gestalten wie André Heller & Co auftauchen aus ihren Luxusvillen, aus ihren abgeschotteten Künstlergettos, und uns anhand der bärtigen Diva die Welt erklären wollen, klinke ich mich aus. CW mag es nicht leicht haben: Doch so mit sich und nichts als sich beschäftigt, wie er es ist, war noch nie eine im Elfenbeinturm. Es geht CW vielleicht um viel (wo und wem tut es das nicht?), aber warum deshalb ganz Österreich ein schlechtes Gewissen haben muss, soll mir jemand erklären. Nicht dass es nicht Anlässe mehr als genug und Tausende Gründe gäbe, um das allermeiste zu hinterfragen, was in diesem Land abgeht: Aber doch bitte nicht deshalb! Beim Barte des Propheten! P.S.: Und schon haben sie sich die Wurst geschnappt für ihren EU-Wahlkampf, die roten Allesfresser in Wien.

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