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Mit Linse und Skulptur

Das Kunstmuseum Liechtenstein untersucht das Verhältnis von Fotografie und Skulptur.

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Man kennt den mit weitem Schritt Davoneilenden, die „einmalige kontinuierliche Form im Raum“, die Ikone des Futurismus, die Umberto Boccioni 1913 entwarf. Diese goldglänzende Bronzeskulptur empfängt jetzt Besucher im umstrukturierten, renovierten und wieder eröffneten Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz. Drei Jahre lang arbeiteten vier Kuratoren, Bogomir Ecker, Raimund Kummer, Friedemann Malsch und der versierte Duchamp-Spezialist Herbert Molderings, für dieses Ausstellungsprojekt. Es wurde in Kooperation mit der Akademie der Künste Berlin entwickelt und war bereits dort zu sehen.

Ganz sachlich untersucht und belegt die Ausstellung anhand von rund 200 Exponaten, wie Fotografie die Bildhauerkunst beeinflusste. Eine Kamera, die durch schnell aufeinanderfolgende Verschlussöffnungen Bewegungsabläufe, die selbst dem menschlichen Auge verborgen bleiben, auf Fotoplatten fixieren konnte, erfand 1895 der französische Physiologe Étienne-Jules Marey (1830–1904). Diese Chronografien, von welchen einige auch in der Ausstellung zu sehen sind, kannten sowohl Boccioni wie auch Marcel Duchamp. Schnelligkeit und die gleichzeitige Sicht aus verschiedenen Perspektiven faszinierten die Künstler. Bewegungsabläufe ließen sich exakt auf Papier bannen. Bildhauer tauschten also die Kamera gegen den Zeichenstift. Die Ruhe, die traditionelle Bildhauerkunst weitgehend ausströmte, war dahin. Schnelle Bewegung, Gleichzeitigkeit und Rotation war angesagt.

Bewegung erforschen

Rückblickend auf diese Zeit vor dem Ersten Weltkrieg liegt Tragik in den futuristischen Visionen der damals jungen Künstler. „Das Pferd“, eine 1914 von Raymond ­Duchamp-Villon (1876–1918) gestaltete Bronzeskulptur, vereint Körperteile des Huftiers mit Kolben und Achsen einer Lokomotive, vereint Dampfross und Pferdestärke. Beides galt damals als Synonym für Stärke und Schnelligkeit. Marcel Duchamps Fahrrad-Rad von 1913 ist zu sehen, und sein Flaschentrockner hängt an der Decke. Diese „Ready- mades“, so Molderings, sind keine Provokationen, sondern Arbeitsmaterialien, um Bewegungen zu erforschen.

Die Ausstellung ist in sieben Kapitel unterteilt und geht Fragen nach der Bedeutung des Schattens nach, erklärt die Zusammenhänge von Fotografie, der in der Medizin angewandten Moulage und Naturnachahmung in der Kunst und zeigt unter anderen Werke von Tony Cragg, Valie Export, Rachel Whiteread, Guiseppe Penone, Roman Signer, Rebecca Horn und Auguste Rodin. Zu sehen bis 31. August.

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