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Der Komplize des Kopernikus’

Philipp Schöbi und Helmut Sonderegger liefern mit einem neuen Buch eine gelungene Würdigung des bedeutenden Wissenschaftlers Georg Joachim Rheticus (1514–1574).

brigitte kompatscher

Er ist einer der Großen der Wissenschaftsgeschichte und dennoch außer in Insiderkreisen kaum bekannt: der Feldkircher Mathematiker, Astronom und Mediziner Georg Joachim Rheticus, „Geburtshelfer“ der kopernikanischen Wende, der vor 500 Jahren in der Montfortstadt auf die Welt kam. In seiner Geburtsstadt wird seit Jahren der Versuch unternommen, den großen Sohn verstärkt in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen, unter anderem auch mit einem Denkmal, das 2009 auf dem Domplatz errichtet wurde, oder heuer im Februar anlässlich des Jubiläumsjahres mit einem zweitägigen Symposium. Einen weiteren Beitrag dazu leisten kann aber sicherlich auch ein Buch, das unlängst erschienen ist: „Rheticus – Wegbereiter der Neuzeit“, bei dem es sich um die zweite, stark erweiterte und aktualisierte Auflage einer früh vergriffenen, gleichnamigen Publikation von 2010 handelt.

Rundes Bild

Philipp Schöbi und Helmut Sonderegger sind die Herausgeber des im Bucher Verlag erschienenen Werks, das zunächst schon durch ein äußerst ansprechendes Äußeres besticht. Eine Vielzahl an Bildern, von denen laut Herausgebern „nicht wenige vermutlich seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr gedruckt wurden“, ergänzen eine klare und übersichtliche Gestaltung der einzelnen Beiträge, die inhaltlich wiederum in ihrer Gesamtheit ein rundes Bild des Gelehrten ergeben und ihn zugleich in seine Umgebung und Zeit einbetten.

So liefert Karl Heinz Burmeis­ter eine Abhandlung über den Humanismus in der Montfortstadt und Christoph Volaucnik eine Darstellung von Feldkirch zur Zeit des Rheticus, wobei Letzterer etwa auch auf Wohnkultur und Nahrungsangebot, Gerichtsbarkeit oder Bildung eingeht. In einem spannenden und lebendigen großen Porträt nähert sich Philipp Schöbi dem Wissenschaftler biografisch an und zeichnet anhand vieler Details ein plastisches Bild der historischen Persönlichkeit. In einem weiteren Beitrag stellt Schöbi Rheticus in Beziehung zum Feldkircher Maler Wolf Huber, dem Erschaffer des Annenaltars im Dom. Rheticus’ Zeit als Dekan in Wittenberg wird im Buch ebenso beleuchtet wie ein bedeutender Brief des Bischofs Tidemann Giese an Rheticus oder auch die Reaktion der Kirche auf die neue Lehre, die den Menschen aus dem Zentrum der Schöpfung an den Rand verbannte. Auch Rheticus selbst wird nach seinem Verhältnis zur Religion untersucht.

Anregend

Weitere Beiträge gehen unter anderem auf das Feldkircher Denkmal, astronomische Beobachtungsgeräte zur Zeit des Rheticus oder seinen Krakauer Obelisken ein, aber auch auf den Schweizer Uhrmacher und Astronomen Jost Bürgi. Eine Zeittafel zu Rheticus und eine umfangreiche Bibliografie ergänzen das vielschichtige Werk, in dem sich zwar ab und zu kleine Wiederholungen in den einzelnen Beiträgen finden, das sich aber insgesamt unterhaltsam und anregend liest. Und das nicht nur einen umfassenden Blick auf eine faszinierende Persönlichkeit aus Vorarlberg wirft, sondern auch Einblicke in ein Mitteleuropa vor 500 Jahren erlaubt. Und das alles zusammen ist ziemlich spannend.

Philipp Schöbi, Helmut Sonderegger (Hg.): Rheticus – Wegbereiter der Neuzeit. Bucher, 254 Seiten, 28 Euro.

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