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Erstaunliche Brunhild

Das Theater Triebwerk Berlin feierte Premiere von „Looking for Brunhild“ beim diesjährigen Homunculus Festival in Hohenems.

anna mika

Ganz ohne Wagner kam man auch bei der Premiere von „Looking for Brunhild“ beim Homunculus Festival in Hohenems nicht aus, denn zu Beginn im Schlosshof spielte ein Hornist Motive aus dessen „Ring des Nibelungen“, bevor man durch das in Nebelschwaden und blaues Licht gehüllte Treppenhaus in den Rittersaal schritt. Gleich neben diesem, in der Bibliothek, fand der Lindauer Arzt Jacob Hermann Oberreit im Jahr 1755 Teile der Handschrift des mittelalterlichen Nibelungenliedes, und dieser Dr. Oberreit war es, der, als zarte Handpuppe, dem Publikum am vergangenen Wochenende die Geschichte nahebrachte. In köstlichem schwäbisch, gesprochen von der Puppenspielerin Veronika Thieme, die in bewundernswerter Vielseitigkeit später auch Siegfried ihre Stimme lieh, dann auf niederrheinisch. Oberreit hat ein Herz für Brunhilde, der mit Zauberkräften begabten isländischen Prinzessin. Als diese schließlich im Brautbett vom durch seine Tarnkappe unsichtbaren Siegfried zugunsten König Gunthers getäuscht wurde, echauffiert er sich und ruft in den Saal „Vergewaltigung“. Von da nimmt die schreckliche Geschichte ihren Lauf, bei der am Ende alle tot sind. Nicht aber Brunhild.

Verblüffend

Der leidenschaftlich forschende Oberreit fand sie nämlich in einem Altersheim in Island. Sie kann nicht sterben, denn auf ihr lastet der Fluch des Nibelungenschatzes. Die einst so schöne Prinzessin sitzt grottenhässlich und überlebensgroß im Rollstuhl und ergänzt, geführt und mit der Stimme von Pierre Schäfer, die Ausführungen Oberreits. Wie die ihn verkörpernde Stabpuppe sind auch die von Gunther, Hagen, Krimhild und deren Mutter nur etwa einen halben Meter groß und fantastisch lebensecht gestaltet von Suse Wächter. Es ist ein verblüffendes Spiel mit den Größenverhältnissen, das die beiden Puppenspieler da mit größter Brillanz liefern, noch dazu vieles auf dem riesigen, bühnenbeherrschenden Schwert Siegfrieds. Und nochmals sei die sprachliche Wendigkeit der beiden Spieler gerühmt, die Dialekte und charakterliche Ausdrucksfarben faszinierend trifft und wechselt und die das Geschlecht der Figuren durcheinanderwirbelt. So war dieser Abend das starke Manifest einer Kunst, die dennoch immer als Kleinkunst bezeichnet werden wird. Und trotz dieser „Welturaufführung“ der Berliner Truppe in Hohenems ist es schwer vorstellbar, dass diese Produktion um den Globus geht, ist sie doch auch thematisch auf den deutschen Sprachraum fokussiert.

Das Festival läuft noch bis 30. Mai. www.homunculus.info

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