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Klangbilder in der Basilika

Die Rankweiler Basilikakonzerte brachten Händels „Dixit Dominus“ zum Erklingen.

barbara camenzind

Mit der Motette „Jesu, meine Freude“ BWV 227 von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händels „Dixit Dominus“ HWV 232 erfreute der Kammerchor Feldkirch am vergangenen Sonntag die Ohren und Herzen der zahlreich erschienenen Gäste. „Weniger ist mehr,“ scheint die Devise der Konzertveranstalter in der Basilika Rankweil und des Domkapellmeisters Benjamin Lack gewesen zu sein, denn alles, was man diesen zwei Werken noch beigestellt hätte, wäre zu viel gewesen.

„Es ist nun nichts Verdammliches an denen“ – so beginnt der zweite Satz mit dem Römerbrief des Paulus, und in der Tat war an den Ausführenden ebenfalls „nichts Verdammliches“, wie der Kammerchor Feldkirch die Motette zur Aufführung brachte. Mit großer Ernsthaftigkeit und Klarheit stellten die Musizierenden Bachs Klangbilder in den Raum, die keine Aufgesetztheit vertragen. Benjamin Lack fand auch in den immer heikler verzahnten kontrapunktischen Passagen der Choralstellen zu den großen Bögen zurück. Es tat gut, dass dem A-capella-Werk ein wohlklingendes Continuo-Konsort (Bianca Riesner Cello, Dorit Wocher Kontrabass, Johannes Hämmerle Truhenorgel) als tragender Boden unterstellt wurde. Fein zusammengesungen musizierten die Chorsolisten Chris­tine Breuss und Renate Ess, Gertrud Tiefenthaler- Pescoller, Walter Ess und Lukas Ess.

Mit frohem Herzen

Als absolut betörend erlebte man im ganzen Werk das Zusammenspiel von Text und Klang. Die Passage „Tobe Welt und springe; ich steh’ hier und singe in gar sich’rer Ruh“ erklang sinnbildlich für das, was Gesangskunst bewirken kann: Wer singt, begegnet den Stürmen des Lebens mit froherem Herzen. Die Freude war den Ausführenden anzumerken, sei es im tröstlichen „Gottes Macht hält mich in Acht“ oder der feierlichen Schlussfuge.

Es ist nicht nachvollziehbar, ob Händels „Dixit Dominus“ jemals in Vorarlberg aufgeführt wurde. Wenn nein, war dies eine beachtenswerte Erstaufführung dieses schweren und speziellen Werks. Der Opernkomponist Händel setzte später bei seinen Sakralwerken auf eine prachtvolle orchestrale Harmoniebasis – bei „Dixit Dominus“ jedoch schuf der 21-Jährige in Italien vokale Dichtheit, ähnlich wie Bach, bei der selbst das Streicherkonsort als „Stimme im Chor“ wahrgenommen wird. Etwas flott gelang der Einstieg, man hätte den Koloraturen gerne mehr Ruhe gegönnt. Mit natürlichem, mädchenhaftem Charme gestaltete Mezzosopranistin Aglaia Mika ihre Soli, auch wenn sie sich mit den großen Bögen in der Musik nicht immer leicht tat. Ihre Kollegin Birgit Plankel, die heuer ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert, hatte sich ebenfalls gnadenlos schwierigen Koloraturpassagen zu stellen und erfreute durch warme Klanggebung.

Sehr schön und entspannt gelang den beiden Sängerinnen dann auch das wunderschöne, sphärisch klingende „de torrente in via bebit“: Die Farbgebung in der Musik erinnerte an den Venezianer Vivaldi. Die Heldinnen und Helden des Abends waren die Choristen, die als Klangbaumeister agierten, denn die Komposition setzt die Chorstimmen als Fundamente ein. Präzise reagiert und mit maienhafter Freude musiziert, wurde wieder einmal deutlich, warum „il Sassone“ – der Sachse Händel – in seiner Wahlheimat England „Master of Tunes“, der „Meister der Melodien“, genannt wird.

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