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Hohe Schule des Gesangs

Countertenor Valer Sabadus (28) über Toleranz, Hausfrauen und Conchita Wurst.

S ie zogen 1991 nach Deutschland. Sind Sie nun ein waschechter Bayer oder spüren Sie noch das Banat in sich?

valer sabadus: Man entwickelt als Fünfjähriger mehr Bewusstsein, als man glaubt. Ich bin in meiner Familie mit Ungarisch, Rumänisch, Deutsch, teils auch mit Serbisch aufgewachsen. Der gleichwertige Umgang mit der Sprache war bei uns ein Zeichen von Toleranz und ist es für mich auch geblieben. Darum mag ich die Worte wie Assimilierung und Emigration nicht, sie haben für mich eine seltsame Konnotation.

Als Kind lernt man Klavier oder Geige spielen, aber wohl kein junger Mensch sagt: „So, und ich will jetzt Countertenor werden.“ Bei Ihnen machte es dennoch schon mit 17 klick. Warum?

sabadus: Ich sang im Schulchor und während des Stimmbruchs gab es keinen großen Registerwechsel. Mit meiner Mutter bin ich damals zu einem Konzert von Andreas Scholl gegangen, und sie war ganz von der Rolle, als ich ihn danach imitierte: „Seit wann kannst du das?“ Nun, ich hatte unter der Dusche schon ewig in höchsten Tönen gesungen und auch im Oberstufenchor die Frauenstimmen mitfalsettiert. Für mich war das nur natürlich.

Viele gute Countertenöre wachsen aus Chören heraus, oder?

sabadus: Ja, denn Knabenchöre stärken die Basis und die Stimme bleibt im Ansatz ähnlich. Zunächst geht es darum, die Diskrepanz zu leben, quasi eine Engelsstimme in einem nun männlichen Körper zu haben. Und im Studium ist es wichtig, die richtige Technik zu erfahren.

Sie zog es nicht in ein Mekka der Alten Musik wie Basel, sondern Sie blieben in München. Weshalb?

sabadus: Zunächst, weil ich grün hinter den Ohren war und gar nichts von den ersten Adressen wie Basel, Köln oder Den Haag wusste. Zudem wollte ich in der Nähe meiner Familie bleiben. Und dann fand ich eine ideale Lehrerin: Gabriele Fuchs ist gar nicht vom Barockfach, aber heute noch meine erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, neue Rollen zu studieren. Wichtig für mich war aber immer auch Learning by Doing mit guten Ensembles und Dirigenten.

Früher waren Countertenöre ja fast „Außerirdische“ in der Branche, heute gibt es einen Boom.

sabadus: Es gibt tatsächlich schon mehr gute Countertenöre als gute Wagner-Heldentenöre. Wir sind ja bereits die vierte Generation nach den Pionieren Alfred Deller oder Russell Oberlin. Allerdings ist der Bonus der Sensation längst weg, und keiner, der bloß herumfistelt, macht mehr Karriere. Die Szene ist kompetitiver, darum braucht es intensivstes Training wie für jede andere Stimmlage auch. Meine Stärken sind, glaube ich, dass ich mich auf der Bühne sehr gut in Rollen und Situationen hineinversetzen kann, empathisch und emotionell bin.

Welche Art von Musik hören Sie privat?

sabadus: Jedenfalls keine Opern. Ich liebe Britpop, am besten live. Jazz, etwa Chick Corea und Bobby McFerrin. Oder Fado, die portugiesische Leidensmusik, geht mir immer unter die Haut. Queen-Sänger Freddy Mercury mag ich auch, der war ja schon vor 30 Jahren quasi eine Conchita Wurst – in Hausfrauenlook mit Staubsauger.

INTERVIEW: MICHAEL TSCHIDA

Termin: Valer Sabadus ist am 20.9. zu Gast bei der Schubertiade.

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