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Umwerfend frisch und kompetent

Aaron Pilsan und Kian Soltani begeisterten bei der Schubertiade.

Anna Mika

Die noch bis heute Abend dauernde, feiertagsbedingte Schubertiade Hohenems spürt den Wechselwirkungen „Schubert und Frankreich“ nach. Auch das Programm von Kian Soltani, Violoncello, und Aaron Pilsan, Klavier, beide in Vorarlberg aufgewachsen, verband vor der Pause Schumann mit Francis Poulenc, nach der Pause Schubert mit César Franck.

„Nichts ist weiter entfernt vom menschlichen Atem als ein Bogenstrich“, schrieb Poulenc einmal. Was der 1899 geborene Franzose wohl eher auf die von ihm favorisierten Holzbläser bezog, lässt sich, speziell bei diesem Programm, auch auf den Gesang umlegen. Schumann und Schubert waren im 19. Jahrhundert in Frankreich vor allem als Liedkomponisten äußerst einflussreich, und es waren Lieder von Schubert, die in der Fassung für Violoncello am Feiertag Nachmittag im Markus-Sittikus-Saal unter anderem erklangen.

Neuer Blick

Ein Cellist muss nicht atmen, und so waren die Phrasen von „Du bist die Ruh“, „An die Musik“ und „Der Wanderer“ schier endlos und gaben einen völlig neuen, hochromantischen Blick auf die Werke. Damit ist auch gleich das Wesentliche über das Spiel von Kian Soltani gesagt. Es ist äußerst empfindungsstark und ausdrucksvoll und er hat Phrasen, die an die Unendlichkeit rühren. Mit seinen 21 Jahren wirkt der persisch-stämmige Vorarlberger ungemein authentisch, sein Spiel fesselt einen in jedem Moment.

Aaron Pilsan beweist mit seinem Klavierspiel ebenfalls eine Reife und Eigenständigkeit, die man bei seinen 19 Lebensjahren kaum glauben kann. An diesem Nachmittag frappierte er als idealer Kammermusikpartner. Stets aufmerksam und mit spürbarer Lust spielte er seinem Cellisten die Bälle zu – die beiden waren schon bei anderen Festivals als Duo zu hören. So war nicht nur die wundervolle Gesanglichkeit bei Schubert und Robert Schumanns Fantasiestücken Opus 73 in den denkbar besten Händen, sondern auch die fedrige Leichtigkeit, die bei der Sonate von Poulenc über Strecken gefordert wird. Und wiederum faszinierte der hochromantische Gestus bei César Franck, dessen berühmte Violinsonate in A-Dur in Celloversion erklang.

Die beiden Zugaben, die den frenetischen Applaus des vollen Saales bedankten, schufen einen Bogen, den nur ganz junge Musiker so unbekümmert zu spannen wissen. Nach Gabriel Faurés unendlich singendem „Après und rêve“ feierte jene Frechheit ihren Triumph, die man schon bei Poulenc erahnte: Bei Thomas Demengas „New York Honk“ lernte das erlauchte Schubertiadepublikum, dass ein Cello auch hupen kann.

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