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„Welttheater“: Katholisch und kosmisch

Ein großer Wurf ist dem Landestheater mit der Freiluftaufführung von Calderón de la Barcas „Das große Welttheater“ in Bildstein gelungen.

Anna Mika

Himmel, Hölle, Fegefeuer. Selbst gute Katholiken glauben heute nicht mehr eins zu eins daran und sogar Papst Benedikt XVI hat dies relativiert. In Calderón de la Barcas Mysterienspiel „Das große Welttheater“, 1655 zum ersten Mal aufgeführt, stehen diese Instanzen freilich noch in Stein gemeißelt dar.

Auch der prominente Regisseur des Abends, Michael Wallner, der die frühbarocke Dichtung bearbeitet und gestrafft hat, hat sie unange­tastet stehenlassen, obwohl er die Figur Gottes zu der der „Schöpfung“ gemacht hat, und die ist folgerichtig weiblich. Und die reale Schöpfung ist es, die genial ins Bühnengeschehen einbezogen ist. Denn das Publikum schaut nicht – wie in Einsiedeln, wo Calderóns Stück eine bleibende Heimat hat oder in Salzburg, wo der von Calderón durchaus beeinflusste „Jedermann“ alljährlich gespielt wird – auf die Kirchenfassade, sondern diese ist zur Linken, während man vorne und rechts die stets faszinierende Landschaftskante ins Rheintal im Blick hat, somit die Weite des Kosmos wie die der Erde wahrnimmt.

Das Architektenteam Cukrowicz/Nachbaur zollt der Naturkulisse Respekt, indem es als einzige Bühnenausstattung einen Stapel Euro-Paletten bereitstellt. Simpel auf den ersten Blick haben diese starken Symbolwert. Sie werden wie die Menschen unerwartet hin und her geschickt, oft um den ganzen Globus, und als im „Welttheater“ die Menschen in die Ewigkeit berufen werden, werden die Paletten ins Feuer geworfen.

Einen ähnlichen Aussagewert hat der Container, in dem – wettergeschützt – die Musiker sitzen. Denn diese Fassung des „Welttheaters“ ist eigentlich ein Singspiel, denn es wird überwiegend gesungen, und das von allen hervorragend, ob Schauspieler oder Sängerin. Die eigens für diese Aufführung geschaffene Partitur stammt von Markus Nigsch und sie ist äußerst eindrucksvoll (Einstudierung und Leitung Werner Lemberg).

Verschleiert wie das Leben

Man glaubt irgendwie Barockmusik zu hören, klopft man sie jedoch nach deren stilistischen Parametern ab, so scheitert man. In ihrem ­konstanten rhythmischen Duktus gemahnt sie auch entfernt an amerikanische Minimal Music etwa eines Phil Glass. Doch ist sie nicht wie diese energetisch voranpeitschend, sondern ruhig, ja mitunter wirkt sie verschleiert, so wie es das Leben der Menschen auf der Welt ist.

Ausschließlich singend unterwegs ist „die Schöpfung“, beeindruckend dargestellt von Martina Gmeinder, deren kraftvoller, gleichförmiger Mezzosopran ein wunderbares Bild abgibt für die Überzeitlichkeit der Instanz, die sie verkörpert. „Die Welt“ hingegen spricht nur, und das umso emotionaler und beweglicher (großartig Stephan Bieker). Singend und sprechend kommen durchs Stück Isabel Hindersin als auch stimmlich betörende „Schönheit“, Sebastian M. Winkler als „der Arme“, Stefan Bräuler als „Bauer“, Andreas Jähnert als „König“, Burghard Wolf als „der Reiche“. Pia Malang spielt das hier stumme „Kind“ und Katrin Hauptmann „die Vernunft“, die in anderen Versionen „die Weisheit“ heißt.

Auch wenn also die pure Handlung des Stückes in ihrer moralisierenden und polarisierenden Haltung eindeutig überholt ist, so ist dem Landestheater mit dieser Produktion ein großer Wurf gelungen.

n Weitere Aufführungstermine unter www.landestheater.org

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