Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Schloss der Poesie

Ein geglückter Abend war Eröffnung der dritten Schlossmediale auf Schloss Werdenberg.

Selbst Petrus schien dem „Ewig-Weiblichen“ und den Werdenberger Schlossmediale-Schöpferinnen zugetan gewesen zu sein: Der sommerliche Freitagabend auf der St. Gallischen Burg vor grandioser Bergkulisse war perfekt. Die Eröffnung der dritten Schlossmediale ist geglückt.

Gerne nimmt man in Kauf, dass man beim Ausstellungsbesuch und bei den Wandelkonzerten auf steilen Treppen bis unter die Zinne geschickt wird. Das sichere Gespür der Intendantin Mirella Weingarten für Bewegendes ist hinter jedem Mauervorsprung zu entdecken. Auftakt zur Veranstaltungsreihe waren die „Madrigali Notturni“, eine szenische Komposition für vier Stimmen, Licht und klingende architektonische Struktur.

Hochsinnliches Erlebnis

Was im Programm nach Kopfgeburt klang, entpuppte sich als hochsinnliches Erlebnis. Die wunderschön geführten Stimmen der Sängerinnen Svea Schildknecht, Agnieszka Kowalcyk, Sylvia Nopper und Leslie Leon betörten vom ersten Ton an. „Io amai sempre“ – Ich liebe stets: Mit diesem Madrigal
des Renaissance-Komponisten Adrian Willaert entführte das Ensemble Voc_4 sein in den Vorzimmern und Gängen lauschendes Publikum in die Nacht. Diese berührende, auf das Schloss zugeschnittene Konzeption war das Werk der Zürcher Komponistin Katharina Rosenberger, deren feinsinniges Ausloten der akustischen Möglichkeiten bestens ankam. Es störte nicht, dass die Madrigale Willaerts und seines Schülers Cipriano de Rore nicht immer original drei- bis vierstimmig vorgebracht wurden: Vier Frauen trugen sie durch die Gänge des Schlosses weiter, in dem der „Stimmraumstücke“ genannte Programmteil liebevoll verfremdet wurde und durch eine schlichte Vortragsweise betörte. Das Publikum erlebte, wie die vier Frauen das Schreibzimmer der letzten Schlossbewohnerin bespielten und wie Textkollagen aus Petrarcas „Epistolae Familiares“ und der Canzone „Di pensier in pensier, di monte in monte“, aus Lautsprechern zu hören, einem das Treppensteigen während der Performance erleichterten.

So gab auch Katharina Rosenbergers Komposition Rezitative/Chorus dem italienischen Frauenverehrer des Trecento einen passenden Auftritt, indem sie seinen Aufstieg zum Mont Ventoux mit fragilen Klangketten verdeutlichte und das Italienisch mit Repetitionen und Dehnungen in archaisch-lautmalerische Klangkaskaden stürzte. Etwas viel für Sprachunkundige, doch Sylvia Nopper perfekt trug mit Verve und enormer Gestaltungskraft vor. Die Lichtführung von Christa Wenger und die reduzierte Choreografie ließen den Goldflitterregen im Dachstuhl verzeihen.

Bei der Vernissage zur Ausstellung „Das Ewig-Weibliche“ hallten die Klänge noch nach. Berührend sind Gundula Frieses Fotos „Töchter oder ein Versuch über die Zeit“, zauberhaft die Xala, ein begeh- und spielbares Klangkunstwerk von Anita Losinger und Mats Egger, verstörend schön die Lichtinstallationen von Lucy Carter.

Die Absicht der Schlossmediale, das Schöpferische im Zauber des Orts entdeckbar zu machen und dabei nicht elitär zu wirken, geht voll auf.

barbara camenzind

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.