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Gruber geht

Ein Film für unsere Zeit

Marie Kreutzer hat Doris Knechts Bestseller „Gruber geht“ verfilmt – mit Manuel Rubey als charmant-strauchelndem Kotzbrocken.

Es ist ein ziemliches Luxusleben, durch das sich der Mittdreißiger John Gruber (Rubey) grantelt: Ein Job im Investmentbereich finanziert ihm eine Dachgeschosswohnung in Naschmarktnähe, einen beachtlichen Kokainkonsum und einen Porsche. Den Brief aus dem Krankenhaus öffnet er lange nicht. Erst der ziemlich fantastische Sex mit der Berliner DJane Sarah Vogel (Bernadette Heerwagen) lässt ihn umdenken. Sie liest vor, was er schon geahnt hat: Krebs-Verdacht.

Gruber wäre nicht Gruber, würde er das vorerst (zumindest nach außen) nicht betont locker nehmen. Die Diagnose postet er lapidar auf Facebook: „John Gruber hat Krebs.“ Ob er ganz deppat sei, fragt da sinngemäß seine Schwester Kathi (Doris Schretzmayer), deren Lebensentwurf – Mann, Kinder, Landhaus – der Egozentriker aus tiefstem Herzen ablehnt. Doch mit fortschreitender Krankheit passt sich Gruber an. Es ist zweifellos eine konventionelle Wendung, die „Gruber geht“ nimmt. Anders als Doris Knecht, die mit ihrem Romandebüt 2011 einen Bestseller landete, lässt sich Marie Kreutzer dafür aber mehr Zeit. Geht im Roman am Ende alles gar schnell, hat Gruber im 100-Minuten-Film ein wenig mehr Zeit für seinen Sinneswandel – und Rubey verleiht dem prätentiösen Business-Typen und Misanthropen von Anfang an eine sehr verletzliche, weiche Note.

Erst wenn sich der Schauplatz zwischendrin nach Berlin zu Sarah verlagert, hakt die Erzählung: Zu gekünstelt, zu stereotyp wirkt da Sarahs Unsicherheit. Kreutzers Stärke ist und bleibt das Familiengefüge: Grubers Flucht aufs Land taucht sie in wunderschöne Bilder, die Beziehung zur Schwester ist ebenso rührend wie die neu gefundene Bindung zum kleinen Neffen Pius. Dass „Gruber geht“ nie runterzieht, nie in die Sentimentalität abgleitet, ist der gewissen Leichtigkeit zu verdanken, mit der Kreutzer harte Szenen aufbricht.

Ein rundum gelungener Film, der perfekt in unsere Zeit passt.

■ Ab morgen im Kino.

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