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Der Ring des Petrenko

Bevor Kirill Petrenko diesen Sommer in Bayreuth zum letzten Mal Wagners Ring schmiedet, tut er dies derzeit an seinem Stammhaus München.

anna mika

Bis Anfang März dirigiert Kirill Petrenko die vier Teile von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ jeweils mehrmals. Das Münchner Opernpublikum, das seinen neuen Generalmusikdirektor glühend liebt, hat somit die Möglichkeit, dessen Sicht auf Wagners Mammutpartitur kennenzulernen. Petrenko hat ja bereits als knapp Dreißigjähriger mit seinem „Ring“ in Meiningen internationale Aufmerksamkeit erregt. In den letzten beiden Festspielsommern schließlich hat er mit dem Werk Bayreuth erobert. Auf so überzeugende Weise, dass man diesen aktuellen Ring nicht wie üblich nach dem Regisseur benennt, sondern nach dem Dirigenten. Es ist damit der „Petrenko-Ring“.

Am Freitag nun ging in München unter Petrenkos Leitung zum ersten Mal „Rheingold“ über die Bühne. Was Wagner als „Vorabend“ bezeichnet, dauert pausenlose zweieinhalb Stunden und ist für alle Beteiligten ein großer Brocken. Kirill Petrenko meistert diese übermenschliche Anforderung souverän. Mit nimmermüder Aufmerksamkeit bedenkt er alle Instrumentengruppen des Riesenorchesters und die Sänger auf der Bühne. Die Präzision lohnt sich: Es ist buchstäblich unerhört, wie transparent diese Partitur dabei klingt, wie jedes der vielen sinnstiftenden Motive seinen jeweiligen Charakter freilegen kann, welch spannende Farben die Instrumente erhalten. Und dennoch verliert sich das alles nicht im Detail, sondern Petrenko kann den Klang dieses großen Orchesters zur rechten Zeit bündeln und baut Steigerungen auf, die einem den Atem rauben – oder er schafft Diminuendi von größter Suggestionskraft.

Publikumsliebling Alberich

Durchwegs hervorragend singen die zahlreichen Sängerinnen und Sänger, darunter die Österreicherin Elisabeth Kulman als Fricka oder der Österreicher Günther Groissböck als überraschend liebevoller Fasolt, die „Nachwuchssängerin des Jahres“ Hanna-Elisabeth Müller als Erste Rheintochter oder unsere derzeitige Bregenzer Carmen Nadine Weissmann als Dritte Rheintochter. Publikumsliebling war Tomasz Konieczny als Alberich, und völlig zu Unrecht erhielt Thomas J. Mayer Buhrufe. Sein Wotan war richtigerweise der bereits Machtlose und Kraftlose, so sah es auch die Regie von Andreas Kriegenburg. Seine Münchner Ring-Inszenierung hat er ja bereits 2012 vorgelegt, und „Rheingold“ ist überzeugend, in seiner Bildersprache geradezu erschütternd (Bühnengestaltung Harald B. Thor, Kostüme Andrea Schraad). Menschen stehen im Mittelpunkt, sie bilden wogend den Rhein zu Beginn und am Ende die Burg Walhall, sie schuften in Alberichs Bergwerk und werden gar wie Müll in Presswürfeln entsorgt. Großartig ist das Lichtdesign von Stefan Bolliger, nicht nur dadurch, dass es eine faszinierende Lösung für die Szene mit der Tarnkappe bereithält. Der Ring unter der Leitung von Kirill Petrenko läuft bis Anfang April, es gibt Restkarten.

www.staatsoper.de

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