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Fragen nach Kulturlandschaft

Die Kulturenquete des Landes pendelte zwischen Ist und Soll.

angelika drnek

Als Unterschied zwischen bloßer Existenz und wirklichem Leben bezeichnete Ulrich Fuchs, Programmdirektor der Kulturhauptstädte Linz 09 und Marseille-Provence 2013, Kunst und Kultur. Anlass zu dieser Äußerung war die vom Kulturamt des Landes ins Leben gerufene Kulturenquete, die am Donnerstag zahlreiche Kulturschaffende ins Feldkircher Montforthaus strömen ließ. Die beiden Gastgeber Winfried Nußbaummüller und Peter Niedermair haben zu einer „Vermessung der Kulturlandschaft“ aufgerufen. In Kurzreferaten stellten Vertreter aus unter anderem Musik, Literatur, Film und Bildender Kunst ihre Sicht auf eben diese Landschaft dar. Darüber hinaus wurde das Thema „Europäische Kulturhauptstadt“ zu einem der am meisten diskutierten Punkte abseits der Tagesordnung. Ziel der Enquete war ja ein Überdenken des derzeit aktuellen Fördergesetzes.

Überleben

Dieses Thema und sein strukturelles Dilemma war klar an den einzelnen Vorträgen abzulesen. Während sich Vertreter der großen Häuser wie vorarlberg museum oder Kunsthaus Bregenz auf einzelne Aspekte ihres Tuns oder auf Wohlfühlthemen konzentrierten, machten die Vertreter der freien Szene darauf aufmerksam, dass es oft ums bloße Überleben von Kulturinitiativen geht. So kritisierte beispielsweise Juliane Alton (IG Kultur), dass ein „Gassenhauer aus dem 19. Jahrhundert mit Förderungen überschüttet wird“ und meinte damit die vieldiskutierte Carmen-Produktion des Landestheaters, während eigentlich „Fragen der Gegenwart angegangen werden müssten“. Scharfe Töne wie diese waren allerdings nicht tonangebend bei der Enquete. Zumeist gaben die Vortragenden ein Bild des jeweiligen Ist-Zustandes ihres Fachs. Manche allerdings gingen darüber auch hinaus und warfen Fragen auf, über die nachzudenken sicherlich lohnenswert wäre. So fragte Evelyn Fink-Mennel nach dem Reibebaum in der Kulturlandschaft – „abgesehen vom Fördermittelneid“ – und sie stellte die Frage danach, warum so wenige Vorarlberger das internationale Kunstparkett bespielen. Die Klammer zwischen Innenschau und Öffnung thematisierte auch Ulrike Sheperd von der Zeppelin Universität in Friedrichshafen und plädierte für eine Nutzbarmachung der Entgrenzung. Auch das Fehlen von künstlerischem Nachwuchs in Vorarlberg wurde diskutiert. Winfried Nußbaummüller und Peter Niedermair hingegen versuchten sich an einer Durchleuchtung der Grundlagen für die Kulturförderung und überlegten, ob die jetzige Form der Kunstkommissionen und ihrer personellen Zusammensetzung eigentlich (noch) Sinn machen würden. Niedermair machte diesbezüglich auf das Thema „Befangenheit“ aufmerksam und forderte „ordentliche Rahmenbedingungen für Künstler anstatt Mitleidskäufe“ durch die Ankaufskommission.

Keine Gießkanne mehr

Beim Diskussionsformat „Runder Tisch“ schließlich wurde von Michael Franz (Sektionschef Kultur im Bundeskanzleramt) der Vorwurf, der Bund ziehe sich von Förderungen zurück, zurückgewiesen – mit dem Hinweis darauf, dass es vielleicht sinnvoller wäre, in die Spitze zu fördern anstatt das Gießkannenprinzip weiterzuführen. Das sei zwar riskant, könne sich aber lohnen, meinte er. Darüber hinaus machte er seine Diskussionspartner darauf aufmerksam, dass sich Vorarlberg bisher nicht einen einzigen Euro aus dem Förderprogramm „Creative Europe“ geholt hätte – was Kulturlandesrat Christian Bernhard zu der Äußerung veranlasste, dass die nicht abgeholten Euros nicht mehr lange liegen bleiben würden.

Zum Thema Europäische Kulturhauptstadt (sowohl Dornbirn als auch das Land Vorarlberg überlegen eine Bewerbung) sagte Ulrich Fuchs, dass man sich sehr genau überlegen sollte, ob eine Bewerbung tatsächlich Sinn macht. Dieser Nachdenkprozess alleine könne allerdings schon sehr produktiv sein und zu einer Aufbruchsstimmung auch jenseits der sogenannten Kulturpolitik führen.

Allerdings setze man sich mit einer solchen Öffnung auch dem Risko aus, kritisiert zu werden. Auch Bernhard sprach sich für ausgiebige Nachdenkarbeit aus, bevor man sich für ein Ja oder Nein entscheide.

Der Enquete soll nun eine Dokumentation nachfolgen – und eine Bewertung, die einen Veränderungsprozess einleiten soll, wie Winfried Nußbaummüller am Donnerstag noch versicherte.

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