Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Schäferstündchen auf dem Kieskahn

Mit Mozarts „Bastien und Bastienne“ erinnerten die Bregenzer Festspiele an die Anfänge vor 70 Jahren.

Der vergangene Dienstagabend konnte perfekter nicht sein. Das Sommerwetter stimmte, der See war ruhig und das Publikum strömte in Scharen zum alten Gondelhafen, in dem heute die Tretboote und kleinen Sportschiffchen liegen. Inmitten dieser Idylle „Jakob“, der alte Kieskahn, so wie 1946, als die Geschichte der Bregenzer Festspiele begann. Mozarts Schäfer-Singspiel „Bastien und Bastienne“ wurde damals gegeben, auf einer reichlich improvisierten Bühne, die von ebensolchen Kieskähnen getragen wurde. Dies war die Geburtsstunde des Festivals, welches Bregenz im Laufe der Jahre als Kulturstätte international bekannt machte.

70 Jahre danach wurde am Vorabend der offiziellen Eröffnung ein Stück Erinnerungsarbeit geleistet. Wieder mit dem Rokoko-Meisterwerk des erst zwolfjährigen Komponistengenies, wieder mit Schiff und heimischen Kräften. Als Nachfolger des Vorarlberger Rundfunkorchesters stellte sich das Symphonieorchester Vorarl­berg zur Verfügung, welches unter dem poppigen, bunten Bühnenaufbau, gestaltet von Florian Kradolfer, in luftiger Höhe duftige Musik spielte. Das Publikum erlebte Rahmenbedingungen wie anno 1946, es wurde ohne Verstärker musiziert. Dieser Umstand schuf eine einmalige, etwas herausfordernde Atmosphäre, ganz anders, als beim modernen Spiel auf dem See. Nachdem es sich die Gäste mit Liegestühlen und Sesseln aus der benachbarten Bar bequem gemacht hatten, hieß es, die Ohren spitzen. Es mischten sich die Alltagsgeräusche in das filigrane Tongeflecht. Gleich zu Beginn brauste der Zug durch Mozarts schalmeienhafte Intrada, was zu einiger Erheiterung führte. Doch so still war es wohl schon lange nicht mehr auf der Bregenzer Seepromenade. Die Ausführenden trafen auf sehr gespannte und aufmerksame Zuhörer.

Hervorragende Besetzung

Die Sopranistin Anna El-Kashem war eine wundervolle Bastienne, die mit Schmelz und feinen Linien ihre ersten Auftrittsarien sang. Sie wurde trotz der speziellen akustischen Bedingungen bestens verstanden. Ohne aufgesetzte Naivität, mit schlichter Schönheit spielte sie die junge Schäferin, die sich mit ihrem Freund zerstritten hatte. Für den vermeintlichen Zauberer Colas, verkörpert von Dominic Barberi, war die „Outdoor-Situation“ herausfordernder. Sein nobler Bariton ging etwas unter, was er aber durch viel Spielwitz und Situationskomik wettmachte. Anstelle von großem Zaubereigeschwurbel beeindruckte er das zankende Paar mit seiner Polaroid-Kamera und Selfie-Bildern. Paul Schweinester als Bastien war der Schiffsjunge. Er sang sich mit „Meiner Liebsten schöne Wangen“ in die Herzen der Zuhörenden und wollte sich, da Tenöre meistens nur lieben oder sterben können, standesgemäß im Bodensee ertränken. Die Sache ging jedoch gut aus, die beiden Streithähne versöhnten sich auf dem Hinterdeck. Es war eine kluge Idee von Regisseur Steven Withing, weitestgehend auf die Dialoge zu verzichten. Das Spiel wurde durch das glasklar musizierende Orchester unter der Leitung von Jordan de Souza getragen und war von Reinhold Müller sensibel ausgeleuchtet. Natürlich fehlte auch das obligate Festspiel-Feuerwerk nicht, um diesen „Erinnerungsabend“ abzurunden. Mit großem Applaus dankte das „Laufpublikum“ für die Einladung. Anders als vor 70 Jahren war der Eintritt frei. Musik braucht die Nähe der Menschen. Schade, dass der Abend nicht wiederholt wird.

Barbara Camenzind

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.