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Äußerst höllisches Verwirrspiel

„Inferno“ von Rafael Spregelburd überzeugte bei der Premiere im Kleinen Haus am Landestheater in Bregenz.

Von Lisa Kammann

Eine E-Mail abgeschickt und es ist geschehen: Als ein frustrierter Sekretär im Vatikan eine Massenmail versendet, in der er das Ende der Hölle erklärt, existiert diese nicht mehr in der Realität – nur noch als Redewendung in der Welt der Sprache. Die Hölle ist nun überall. Ein Entkommen scheint es nur durch die gleichzeitige Anwendung der sieben Tugenden zu geben.

Dieses Szenario dient als Ausgangspunkt eines ereignisreichen Stückes, das mit dem virtuosen Text von Rafael ­Spregelburd einen erzählerischen Kosmos öffnet. Nichts ist fixiert, alles wandelt sich, ist übereinander gelagert. Realität und Fiktion werden ununterscheidbar.

Das Auftragswerk – von Regisseur Steffen Jäger realisiert – ist der letzte Teil der Trilogie zu Hieronymus Boschs Triptychon „Garten der Lüste“ und behandelt die rechte Innentafel „Hölle“. Doch das Motiv der Hölle bzw. das Thema Religion dient lediglich als Grundlage einer weit verzweigten, verschachtelten Geschichte, in der die Ebenen rasch wechseln oder parallel verlaufen, Rollen getauscht werden, die weder erfunden noch wirklich real sind. Die Textgewalt und die Konzentration auf das Schauspiel bewirken, dass die komplexe Erzählung aufgeht in einem nicht allzu schweren, humorvollen Spiel mit der Sprache, mit Ges­ten, mit Wirklichkeiten und Möglichkeiten.

Scheitern als Mission. Die schwer durchschaubare Story beginnt mit dem Besuch zweier Missionarinnen, die einen Reisejournalisten in Argentinien heimsuchen, um ihn mit den sieben Tugenden aus der Hölle auf Erden zu führen. Doch der Ausweg gelingt nicht, die Figuren verstricken sich mehr und mehr in ein Labyrinth, in dem Schuld und Tugend, Original und Kopie sich ständig umformieren und neu zusammensetzen. Es entsteht ein absurdes Verwirrspiel, dem die vier Schauspieler (Laura Mitzkus, Bo-Phyllis Strube, Luzian Hirzel, David Kopp) mit viel sprachlichem und körperlichem Einsatz eine besondere Dynamik verleihen. Ihre Leis­tung lockert den textlastigen Stoff auf und sorgt für reichlich amüsante Momente.

Steffen Jäger ist eine Inszenierung gelungen, die nicht auf einem klassischen Handlungsstrang beruht, sondern die Grenzen aufbricht zwischen Wahrheit und Fiktion, Literatur und Realität, und damit die Sprache selbst zum Thema macht. Die Möglichkeiten des Theaters und vor allem des Schauspiels werden ausgeschöpft, um ein surreales Spiegelkabinett zu erzeugen, das nicht belehren kann, da es selbst in ständiger Reflexion eine Lösung verweigert. Für ein Publikum, das einem zeitgemäßen, jungen Theater gegenüber aufgeschlossen ist, ist „Inferno“ zu empfehlen. Die Zuschauer applaudierten am Ende dieses infernalen Theater­abends.

Weitere Aufführungen unter www.landestheater.org

<p class="caption">Spielfreudiges Quartett: David Kopp, Luzian Hirzel, Laura Mitzkus und Bo-Phyllis Strube (v.l.). anja Köhler</p>

Spielfreudiges Quartett: David Kopp, Luzian Hirzel, Laura Mitzkus und Bo-Phyllis Strube (v.l.). anja Köhler

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