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Medienkampagne als Kunst

Die Billboards werden bis Jänner 2018 in Bregenz zu sehen sein. Kleines Bild: Der Künstler Simon Fujiwara vor einem Foto, das seine ehemalige Lehrerin Joanne Salley zeigt. Kunsthaus Bregenz/Simon Fujiwara/Lisa KAmmann

Die Billboards werden bis Jänner 2018 in Bregenz zu sehen sein. Kleines Bild: Der Künstler Simon Fujiwara vor einem Foto, das seine ehemalige Lehrerin Joanne Salley zeigt. Kunsthaus Bregenz/Simon Fujiwara/Lisa KAmmann

Für das Kunsthaus Bregenz hat Simon Fujiwara ein eigenwilliges Projekt realisiert.

Von Lisa Kammann

Der britische Künstler Simon Fujiwara hat in einer aktuellen Auftragsarbeit des Bregenzer Kunsthauses ein ungewöhnliches und eigenwilliges Projekt realisiert. Basierend auf seiner Arbeit „Joanne“ (2016) gestaltete er die Billboards an der Seestraße und diverse Online-Plattformen. Diese haben die Funktion und die Form einer PR-Kampagne – eine nicht allzu häufige Strategie in der Kunstpraxis. Gestern wurde das Projekt von dem Künstler und KUB-Direktor Thomas D. Drummer präsentiert.

Fujiwara wurde 1982 in der englischen Stadt Harrow geboren. Durch ein Stipendium für weniger privilegierte Jugendliche gelang es ihm mit 17 Jahren, einen Studienplatz auf der Kunsthochschule in Harrow zu erlangen. Joanne Salley war eine Lehrerin an dieser Schule. Der international bekannte Künstler erzählte auf einer Pressekonferenz vor der Präsentation, er habe der Dozentin viel zu verdanken.

Image-Kampagne. Der homosexuelle Fujiwara fühlte sich damals als Außenseiter in der heterosexuell geprägten, männlichen Schülergemeinschaft. Die Lehrerin habe ihm die Arbeit bedeutender feministischer Künstlerinnen und künstlerische Strategien wie die Selbstinszenierung nähergebracht. Im Jahr 2010 geriet Salley in die Schlagzeilen der britischen Boulevardpresse. Durch ein publik gewordenes privates Foto, das sie „oben ohne“ zeigt, wurde sie durch die Medien als „Topless Teacher“ bekannt. Sie verlor ihren Job, litt an Depressionen. Fujiwara startete deshalb ein Rehabilitations-Programm: Er initiierte die Kampagne „Joanne“.

Zusammen mit PR-Agenturen und verschiedenen Unternehmen realisierte der multimedial agierende Künstler ein Projekt, um Salleys Image wieder ins Positive zu wenden. Das Video „Joanne“ ist Teil dieser Arbeit. Die Kunstlehrerin ist in dem kurzen Film im Kunsthaus Bregenz zu sehen. Sie wandert durch den Raum des architektonisch bedeutenden Gebäudes. Sie wirkt in dem ruhigen und minimalistischen Raum einsam, angreifbar, menschlich, wie Fujiwara erklärt. Die Umgebung kommt so dem Image von Salley zugute.

Es ging dem Künstler darum, die Kraft des Bildes anzuwenden, um seine ehemalige Lehrerin wieder als Mensch greifbar zu machen. In dieser Arbeit werde auch ein grundlegender Widerspruch unserer Zeit deutlich: Im Zeitalter der Globalisierung, des Internets und sozialen Netzwerken wird von den Menschen gefordert, sich selbst so authentisch wie möglich zu inszenieren, erläutert Fujiwara. Die Komplexität der menschlichen Natur soll für jeden „consumable“, verwertbar sein – für ihn ein Ding der Unmöglichkeit. Schließlich sei auch der Begriff der Authentizität problematisch: Niemand könne mit Sicherheit sagen, was an einer Person authentisch ist. Welche Aspekte eines Menschen sind schon allein aus sich selbst heraus, ohne Einfluss von außen, entstanden?

Mit den eigenen Waffen. Visuelle Medien spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Der Image-Begriff kann so doppelt gelesen werden, sowohl als visuelles als auch als öffentliches Bild, der Ruf einer Person. Salleys Rehabilitation hätte starke Waffen benötigt, und so wurde die Negativ-Kampagne mit ihren eigenen Mitteln geschlagen. Der Einfluss der visuellen Medien auf unsere Gesellschaft steht oft in der Kritik. In diesem Fall äußert sich diese Kritik in derselben Sprache und macht sich deren große Wirkung zunutze – auf eine konstruktive, schöpferische Art und Weise.

Die Bilder, die bis Jänner nächs­ten Jahres an der Seestraße zu sehen sind, zeigen auch die Auseinandersetzung mit der Körperlichkeit des Menschen. Das Thema vom Innen und Außen einer Person beschäftigt auch Salley in ihrer Arbeit. Mittlerweile kann sie wieder ihrem Beruf nachgehen.

 Simon Fujiwaras Arbeit wird auch in der ersten Ausstellung des nächsten Jahres im KUB zu sehen sein.

<p class="caption">... Simon Fujiwara, Künstler</p>

... Simon Fujiwara, Künstler

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