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„ Ich glaube“: Über das Recht Haben

Die Darsteller von „Ich glaube“: Benjamin Vanyek, Claudia Kottal, Susanne Brandt, Alev Irmak und Martin Hemmer (v.l.). Kleines Bild: Martin Gruber.Apollonia Bitzan (1)/Stefan Grdic (1)

Die Darsteller von „Ich glaube“: Benjamin Vanyek, Claudia Kottal, Susanne Brandt, Alev Irmak und Martin Hemmer (v.l.).
Kleines Bild: Martin Gruber.

Apollonia Bitzan (1)/Stefan Grdic (1)

Die Uraufführung der Aktionstheater-Produktion „Ich glaube“ steht am Ende des diesjährigen Bregenzer Frühlings.

Von Lisa Kammann

Mit einer Uraufführung des Aktionstheater-Ensembles geht der diesjährige Bregenzer Frühling zu Ende. Das Aktionstheater, 1989 von Martin Gruber gegründet, erhielt im letzten Jahr den Nestroypreis für die beste Off-Produktion für „Kein Stück über Syrien“. Darauf folgte die Inszenierung „Immersion. Wir verschwinden“, die ebenfalls überaus positiv von Kritik und Publikum aufgenommen wurde. Nun wird am Mittwoch, 7. Juni, die Premiere von „Ich glaube“ über die Bühne gehen.

Mit „Ich glaube“ liefert das Aktionstheater erneut ein Stück über ein in der Gesellschaft kontrovers diskutiertes Thema. In dieser Produktion geht es um die monotheistischen Religionen, genauer um seine Anhänger, die in dem Glauben ihrer Sehnsucht nach einer transzendentalen Erfahrung nachkommen. Die Problematik ergibt sich aus der Überzeugung der Gläubigen, die alleinige Wahrheit für sich beanspruchen zu können. „Es geht um das Recht Haben, oder besser gesagt um das Recht-haben-Wollen“, wie Gruber in einem Gespräch über das Stück erläutert.

Probenprozess. Der Regisseur hat die Idee konzipiert und in Zusammenarbeit mit den Darstellern Susanne Brandt, Alev Irmak, Martin Hemmer, Claudia Kottal und Benjamin Vanyek realisiert. Während der Vorbereitung und des Probenprozesses habe er erfahren, wie emotional aufgeladen und heftig das Thema diskutiert werde. Wenn alle Beteiligten, auch die Atheisten, an ihrem „Justamentstandpunkt“ festhalten würden und keine andere Perspektive zulassen, dauere es nicht lange bis „die Fetzen fliegen“, wie Gruber erzählt. So sei es auch während der Proben gewesen, denn der Regisseur entwickelt seit etwa zehn Jahren den Text während seiner Arbeit mit den Darstellern. In „Interviews“ mit ihnen entsteht die Grundlage zum Textstoff, den er anschließend nachbereitet – „komponieren“ nennt Gruber diesen Arbeitsschritt. „So entsteht etwas Drittes, Neues, das aber authentische Züge beibehält.“ Dieser Prozess geschieht in Mitarbeit mit dem Dramaturgen Martin Ojster.

Es entstehen keine klassischen Rollen beziehungsweise Charaktere, sondern ein „Kreiertes Ich“, so nennt der Regisseur das Figuren-Konzept, das sich an der Theorie des postdramatischen Theaters orientiert. Die Darsteller würden sich weder selbst als Privatperson spielen noch eine fiktive Figur repräsentieren. Das „Kreierte Ich“ entsteht ebenfalls während der Probenarbeit.

Gewalt, Zweifel, Liebe. Den Anlass zu „Ich glaube“ boten die jüngsten Terroranschläge der Anhänger des Islamischen Staats (IS) und andere aktuelle religiös motivierte Gewalttaten. Dies sei jedoch nur der äußere Anlass, wie Gruber betont. Er möchte das Thema weiter fassen, denn im Grunde spiele es keine große Rolle, „um was es geht – Wer auch immer die absolute Wahrheit hinter sich zu haben glaubt, meint auch das Recht zu haben, Andersdenkende zu unterdrücken, sogar zu töten“, erläutert der Regisseur.

Weiters erklärt Gruber, habe sich während der Interviews gezeigt, dass der Glaube an die Liebe eine universale Übereinstimmung sei – sei es „die Liebe zu einer Idee, zu einer Sache und natürlich zu einem oder mehreren Menschen. Eine ,Trans­zendenz‘, eine über das Ich hinausgehende Erhöhung, die religiöse und agnostische Menschen verbindet“.

Auch der Zweifel spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Wer zweifelt, öffnet sein Sichtfeld auf das Andere, kann nicht mehr seinen Glauben als das einzig Wahre definieren. Der Regisseur ruft dabei Bertolt Brecht in Erinnerung: „Was uns trennt, ist der Glaube. Und was uns verbindet ist der Zweifel.“

Dem Verbindenden und dem Trennenden habe Gruber in dieser Inszenierung Rechnung zu tragen versucht. Der Zuschauer kann ein dichtes, ereignisreiches Stück erwarten, das auch musikalisch einiges bereithält: Kristian Musser hat die Musik entwickelt, die live zu erleben sein wird.

„Ich glaube“. Aktionstheater-Ensemble in Kooperation mit dem Bregenzer Frühling. 7., 8. und 9. Juni, jeweils 20 Uhr, im Shed8 (Theater Kosmos). Tickets: www.v-ticket.at

<p class="caption">Die Darsteller von „Ich glaube“: Benjamin Vanyek, Claudia Kottal, Susanne Brandt, Alev Irmak und Martin Hemmer (v.l.). Kleines Bild: Martin Gruber.</p><p class="caption">Apollonia Bitzan (1)/Stefan Grdic (1)</p>

Die Darsteller von „Ich glaube“: Benjamin Vanyek, Claudia Kottal, Susanne Brandt, Alev Irmak und Martin Hemmer (v.l.).
Kleines Bild: Martin Gruber.

Apollonia Bitzan (1)/Stefan Grdic (1)

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