Ein inspirierender Meisterkurs

Dichtes Programm bei der Schubertiade: Der Meisterkurs mit András Schiff, der Pianist Kit Armstrong und der Bassbariton Matthias Goerne (v.l.). Schubertiade

Dichtes Programm bei der Schubertiade: Der Meisterkurs mit András Schiff, der Pianist Kit Armstrong und der Bassbariton Matthias Goerne (v.l.). Schubertiade

Fünf junge Musiker haben sich bei der Schubertiade um den ungarischen Pianisten András Schiff versammelt.

Von Katharina von Glasenapp

Nicht das Klavier oder die Stimme stehen im Mittelpunkt dieser Tage in Schwarzenberg, sondern die Kammermusik und Lieder: Der Dornbirner Pianist Aaron Pilsan, längst ein Schubertiadekünstler, arbeitet einerseits mit dem in Wien geborenen Geiger Emmanuel Tjeknavorian an der großen C-Dur-Fantasie für Vio­line und Klavier, andererseits mit dem rumänischen, in Berlin studierenden Cellisten Andrei Ionita an der Arpeggione-Sonate. Beide Werke kehren im Programm regelmäßig wieder, trotzdem entdeckt man immer wieder Neues. Zu den drei vielfach ausgezeichneten jungen Musikern, die mit 22 und 23 Jahren ebenso jung wie begabt sind, kommen der 27-jährige Tenor Angelo Pollak und seine Schwester Fiona als Klavierpartnerin. Er hat sich als Cellist und Pianist viele Preise erspielt, bevor er seine Stimme ausbilden ließ und nun am Theater Regensburg als lyrischer Tenor engagiert ist. Fiona ist seine vertraute Liedpartnerin und trägt ihn gewissermaßen auf Händen.

Inspirierender Dialog. Die Her­ausforderungen im Lied und in der Kammermusik bei Schubert sind ähnlich: Das Cello, die Vio­line, das Klavier sollen ebenso zum Singen gebracht werden wie die Stimme. Dazu gilt es, den österreichischen Tonfall, das so eigentümlich Gemütliche, den wienerischen Dialekt in der Musik aufzuspüren: hier eine Art Jodler in der Singstimme oder in der Klavierstimme der Fantasie, dort, ebenfalls in der Fantasie, Anklänge an die Militärmärsche. „Ich hasse Militär, aber zu dieser Zeit hatte es etwas Glorreiches“, räumt der Ungar mit der durch politische Umstände bewegten Vergangenheit ein.

Immer wieder ereignet sich das Besondere bei dieser Art von Meisterkursen: das, was vorher schon gut klang, mit beeindruckend schönem Streicherton, großer Virtuosität und ansprechender Bühnenpräsenz gestaltet wurde, verwandelt sich durch die behutsamen Anregungen Schiffs. Die Musik atmet, lebt, gewinnt an Farb- und Strahlkraft und berührt Herz und Seele. Die jungen Künstler saugen es auf, setzen es sofort um und nehmen es mit in ihr weiteres Musikerleben. Das Publikum hatte die Gelegenheit, den so feinsinnigen Pianisten in seinem liebevoll inspirierenden Dialog mit den jungen Künstlern zu erleben.

Raumfüllend. Für den erkrankten Wiener Pianisten Till Fellner war am Dienstag der junge Kit Armstrong eingesprungen: der Amerikaner mit asiatischen Wurzeln, der auch Mathematiker und Komponist ist und in sanft fließendem Deutsch moderiert, verblüffte einmal mehr mit seinen fein ziselierten Verzierungen bei Couperin. Schuberts Moments musicals musizierte er sehr dicht, farbenreich, melancholisch und reich an Anschlagskultur. Und Bachs Musik in ihrer Vielfalt und Leuchtkraft kommt dem analytischen Geist des auf so vielen Gebieten Hochbegabten wohl besonders entgegen.

Am Abend gestalteten der körperlich wie stimmlich raumfüllende Bassbariton Matthias Goerne und sein Klavierpartner Markus Hinterhäuser einen ungeheuer dichten Abend mit Liedern von Mahler und Hanns Eisler. In 80 Minuten tauchten sie ein in die Welt der Gedichte aus „Des Knaben Wunderhorn“, der so sarkastisch pointierten und geschärften Sprache von Bert Brecht und des ausladenden Schlussstücks aus Mahlers „Lied von der Erde“. Goernes Stimme beeindruckt nach wie vor in ihrem riesigen Ambitus, der samtenen Fülle und der weich ansprechenden Kopfstimme. Bei Eisler präsentiert er eine Fülle an Farben und Dynamik, doch würden diese Lieder mit einer besseren Diktion noch mehr gewinnen. Dass er sich nach dem Mahler-„Abschied“ allerdings mit Bachs so innigen „Bist du bei mir“ verabschieden kann, zeugt von größter Stimmkultur.

<p class="caption">Dichtes Programm bei der Schubertiade: Der Meisterkurs mit András Schiff, der Pianist Kit Armstrong und der Bassbariton Matthias Goerne (v.l.). Schubertiade</p>

Dichtes Programm bei der Schubertiade: Der Meisterkurs mit András Schiff, der Pianist Kit Armstrong und der Bassbariton Matthias Goerne (v.l.). Schubertiade

<p class="caption">Dichtes Programm bei der Schubertiade: Der Meisterkurs mit András Schiff, der Pianist Kit Armstrong und der Bassbariton Matthias Goerne (v.l.). Schubertiade</p>

Dichtes Programm bei der Schubertiade: Der Meisterkurs mit András Schiff, der Pianist Kit Armstrong und der Bassbariton Matthias Goerne (v.l.). Schubertiade

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