Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Handwerks-Archiv im Wald

Das „Archiv der Formen“-Team: Robert Rüf (2.v.l.) und seine Mitarbeiterin, Thomas Geisler (4.v.l.), Stefan A. Wolf (5.v.l.) und Mitarbeiter des Büros Bueronardin. Kleines Bild: Die Liege von Johannes Mohr. Klaus hartinger/reinhard Fasching

Das „Archiv der Formen“-Team: Robert Rüf (2.v.l.) und seine Mitarbeiterin, Thomas Geisler (4.v.l.), Stefan A. Wolf (5.v.l.) und Mitarbeiter des Büros Bueronardin. Kleines Bild: Die Liege von Johannes Mohr. Klaus hartinger/reinhard Fasching

Bei der Schau „Archiv der Formen“ sind zahlreiche Handwerks-Objekte zu sehen.

Von Lisa Kammann

Die aktuelle Ausstellung „Archiv der Formen“ im Werkraum Bregenzerwald ist Teil eines größeren Projekts, das die Mitwirkenden vor verschiedene Herausforderungen stellte. So war es auch ein Ziel, eine digitale Datenbank zu errichten, die alle bei dem Wettbewerb „Handwerk+Form“ ausgezeichneten Handwerks-Stücke erfasst. Eine große Aufgabe – immerhin gibt es den Bewerb seit 1991. Vom Handwerkerverein Andelsbuch initiiert, werden alle drei Jahre unter vielen Einsendungen handwerklich gefertigte Design-Objekte in mehreren Kategorien ausgezeichnet.

632 Objekte galt es zu dokumentieren und digital zu archivieren, wie der Design-Anthropologe Stefan A. Wolf im Rahmen einer Pressekonferenz erklärte. Er koordinierte das Projekt, das in Kooperation vom Andelsbucher Handwerkerverein mit dem vorarlberg museum realisiert wurde. Schließlich wurden 218 Objekte für die Ausstellung ausgewählt. Dabei handelt es sich um größere Stücke wie Tische, Bänke oder ganze Küchenzeilen, wie auch Textilien und kleinere Gebrauchsgegenstände wie Kinderspielzeug oder Haushaltshilfen.

Formensprache. Das Ziel des Archivs und der Schau sei, eine Entwicklung der Formensprache aufzuzeigen, wie der Geschäftsführer des Werkraums Thomas Geisler erläutert. „Wie gestaltet sich ein Objekt?“ sei dabei eine der Leitfragen. Auch das verwendete Material und experimentelle Ansätze sollen aufgezeigt werden. Kooperative Arbeiten sind ebenso vertreten. „Gibt es unter den Objekten ein verbindendes Element?“, fragt Geisler Wolf. Dies sei schwierig zu beantworten, antwortet der Anthropologe. „In vielen regional gefertigten Arbeiten ist aber eine Referenz zur Bregenzerwälder Baukultur zu erkennen“, sagt Wolf. Doch sei gerade die Vielfältigkeit der Arbeiten spannend, die aus einem individuellen Prozess zwischen Gestaltern, Produzenten und Abnehmern resultiert.

Ein Blick durch die Räume lässt den logistischen Aufwand hinter dem Projekt erkennen. Unter der Leitung des Designers Robert Rüf wurden die Gegenstände auf beinahe raumhohen Baugerüsten, die als Regale fungieren, platziert. Dies hat einen besonderen Vorteil: Die Anordnung ermögliche einen Blick von unten auf die Objekte, der ihre hohe Qualität und Funktionalität erkennbar macht, erklärt Geisler bei einer Führung durch den Werkraum.

Objektschau. Ein Bereich ist den Anfängen von 1991 gewidmet. Dort ist auch eine Liege mit Kopfrolle von Johannes Mohr zu sehen. Ein Stuhl von Markus Faißt lässt die interessante Perspektive von unten erkennen: Hier wird die praktische und stabile Steckverbindung sichtbar. In sogenannten „Interventionen“ kommen auch die Gestalter in Audio-Gesprächen zu Wort, die dem Besucher per Kopfhörer zur Verfügung stehen. So auch bei dem Objekt „Fux“ von Marianna Moosbrugger: Sie gestaltete einen Weinflaschenkühler aus Fuchsfell: smart, humorvoll und simpel.

Der „Juppokaschto“, von Karin Kaufmann entworfen und 2012 eingereicht, steht für den Bezug zu regionaler Kultur. Überhaupt sei die Bregenzerwälder Tracht eine „Inspiration“ für die Handwerkskunst, erklärt Geisler.

Neben zwei anderen österreichischen Handwerkszentren wurde 2016 der Werkraum Bregenzerwald (gegründet 1999) in den „Unesco-Register guter Praxisbeispiele für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen. Die Präsentation einer diesbezüglichen Studie über das Handwerk wird im September veranstaltet.

Laut Geisler soll die Ausstellung auch eine Perspektive in die Zukunft, und eine Diskussion über die Möglichkeiten der Handwerkskunst eröffnen – ebenso im Hinblick auf die kommende Auflage von „Handwerk und Form“ im nächsten Jahr. „Was brauchen wir?“ lautet die Frage des Werkraum-Obmanns Martin Bereuter.

<p class="caption">Das „Archiv der Formen“-Team: Robert Rüf (2.v.l.) und seine Mitarbeiterin, Thomas Geisler (4.v.l.), Stefan A. Wolf (5.v.l.) und Mitarbeiter des Büros Bueronardin. Kleines Bild: Die Liege von Johannes Mohr. Klaus hartinger/reinhard Fasching</p>

Das „Archiv der Formen“-Team: Robert Rüf (2.v.l.) und seine Mitarbeiterin, Thomas Geisler (4.v.l.), Stefan A. Wolf (5.v.l.) und Mitarbeiter des Büros Bueronardin. Kleines Bild: Die Liege von Johannes Mohr. Klaus hartinger/reinhard Fasching

Archiv der Formen

Ausstellung: Die Ausstellung im Werkraum Bregenzerwald wurde gestern eröffnet – mit dem Grafikdesigner Stefan Sagmeister als Gast. Sie ist bis zum 7. Oktober zu sehen. Die Datenbank „Archiv der Formen“ ist ab heute online: www.archivderformen.at

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.