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Kein Lebensüberdruss im Lauf der Zeit

Das walktanztheaterstück „How many more times…“ widmet sich den Themen Zeit, Augenblicke und Erinnerungen.

Von Daniel Ongaretto-Furxer

Fünf Tänzerinnen verschiedenen Alters (Simea Cavelti , Natalie Fend, Elisabeth Orlowsky, Maartje Pasman und Brigitte Walk), eine verspiegelte Tanzfläche, viel Raum. Renate Graziadei (Choreografie) und Arthur Städli (Dramaturgie) haben gemeinsam mit den Tänzerinnen neue Zeitwelten aufgetan. Für die Ausstattung ist Alina Rosalie Amman verantwortlich, die Produktionsleitung hat Nicole Wehinger inne.

Wie Zeit tänzerisch dargestellt werden kann, ist nicht leicht zu beantworten. „Wie viel Mal werde ich noch ein- und ausatmen, wie viel Mal noch meine Nichte lachen hören, wie viel Mal…“ – diese Fragen bleiben unbeantwortet und suchen nach keiner Antwort. Das Tanztheater ist eine Allegorie auf die Vergänglichkeit der Zeit und vor allem ein Sinnbild der menschlichen Endlichkeit.

Die Frage „How many times?“ drängt scheinbar in eine melancholische Richtung, in das Älterwerden und den Tod. Darum geht es jedoch in diesem Tanztheater nicht. Vielmehr spürt der Zuschauer jeden Augenblick, dass dieses Leben eben nicht festgehalten werden kann. Getanzt fühlt es sich leicht an. Mit schwungvollen Bewegungen tanzen sich die Darstellerinnen durch den Raum, unterbrechen sich dann wieder und gehen Alltagsbeschäftigungen nach.

Bücher werden aufeinander gestapelt und einsortiert, Rommé-Karten gelegt, und eine Tänzerin zieht sich laufend neue Kleidung an, wie um zu sagen: Ich ziehe mir neue Kleidung an, um meinem Leben eine neue Ausrichtung zu geben. Die andere schaut zu und will den Augenblick bannen.

Zeitlupe. In Zeitlupe bewegen sich die Protagonistinnen rückwärts und vorwärts wie auf einem Laufband, versuchen der Zeit zu entkommen, halten sich gegenseitig fest. Das Publikum spürt, wie die Zeit verrinnt, je langsamer die Bewegungen sind.

Dann ist das Leben wie eine lange Zugfahrt, die man genießt, aus dem Fenster schaut und sieht, wie sie vergeht. Und lernt dabei neue Menschen kennen. Die Sätze „Irgendwann ist genug gelebt, genug gelitten“ fallen in der Mitte des Stücks, ohne dass sie Lebensüberdruss ausstrahlen. Ein Nichts-mehr-beweisen-Müssen, ein So-sein-Können, wie man ist, drängt in den Vordergrund.

Gemeinsame Geschichte. Die Lebensalter fließen ineinander, springen von einer Person auf die nächste über, gemeinsames Tanzen wird zur gemeinsamen Geschichte. Die auf sehr hohem Niveau gezeigten Solodarbietungen kontrastieren mit den gemeinsamen Tänzen. Diese bilden immer wieder eine große Einheit. Wie eine Welle stehen sie zusammen und bewegen sich synchron. Augenzwinkernde Elemente sind bei dieser Performance zusätzlich ebenso eingebaut und vermitteln einen tiefgründigen Humor der Truppe.

Untermalt wird das Stück durch eingängigen Drum n‘ Bass, dynamische Bassriffs und menschliche Atem-Lautmalereien. Auch Presslufthämmer zwängen sich in die Abläufe der Tänzerinnen. Verantwortlich dafür zeichnet Martin E. Greil, seines Zeichens Klangkünstler und Musiker.

Die Performance lässt den Zuschauer kreativ inspiriert zurück. Eigene Erinnerungen werden wach und die Frage stellt sich: Wer war ich früher und wer bin ich heute? Gutes Tanztheater, das sehr wenig Text vermittelt, lebt fundamental von der eigenen Interpretation. Diese Inspirationsquelle zum eigenen Ich aufzutun, gelingt den Tänzerinnen aufs Beste. Das Leben ist Tanz und ist Alltag und ist Tanz.

<p class="caption">Maartje Pasman, Simea Cavelti und Natalie Fend (v.l.). Mark Mosman (3)</p>

Maartje Pasman, Simea Cavelti und Natalie Fend (v.l.). Mark Mosman (3)

How many more times

Eine walktanztheater-Produktion. Choreografie: Renate Graziadei, Dramaturgie: Arthur Stäldi (laborgras, Berlin). Tanzstück über Körper, Zeit und Augenblicke mit fünf Tänzerinnen unterschiedlichen Alters. Weitere Aufführungen am 14., 17.,18., 19., 20. und 21. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr im Alten Hallenbad Feldkirch. Tickets gibt es im Vorverkauf unter www.v-ticket.at, Infos zum Stück unter www.walktanztheater.com

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