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„Immortal Bach“ in der Kirche St. Karl

Bei den 27. Chor- und Orgeltagen in Hohenems gab es am Wochenende einiges zu hören.

Von Katharina von Glasenapp

Zum dritten Mal bereits war das Ensemble Cantissimo unter seinem Gründer und Leiter Markus Utz zu Gast bei den Hohenemser Chor- und Orgeltagen in der Pfarrkirche St. Karl. Nach zwei Orgelkonzerten von Johannes Hämmerle am Freitag sowie Helmut Binder gemeinsam mit dem Hornisten Lukas Rüdisser am Samstag stellte der Chor abschließend Johann Sebastian Bach in den Mittelpunkt seines Programms „Immortal Bach“. Eine interessante klangliche Erweiterung erlebte das Publikum durch die Mitglieder des Raschèr Saxophone Quartetts.

Altes und Neues. Vor zehn Jahren hatten die geschulten und rein intonierenden Stimmen des Projektchors, dessen Mitglieder aus Süddeutschland und der Schweiz kommen, schon einmal die doppelchörigen Motetten von Bach aufs Programm gesetzt. Nun überließen sie in der schwingend bewegten Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ dem Saxophonquartett die Gestaltung des zweiten Chors. Das funktioniert überraschend gut, zumal die Saxofonistin und ihre drei Kollegen, die die Tradition der Ursprungsbesetzung weitertragen, schlank und sprechend artikulieren. Doch bringt es die hallige Kirchenakustik mit sich, dass die Sänger zum Teil von den Bläsern überdeckt oder dominiert werden. Alt und neu verbanden sich auf interessante Weise in den „War-Dreams“ von Zachary Wadsworth, dessen vielschichtige Cluster und Reibungen gleichsam von den fließenden, tröstenden Klängen einer Motette des ­Renaissancekomponisten William Byrd aufgehoben werden. Schön wäre es hier gewesen, ­einen Text bei der Hand zu haben.

Alt und neu begegneten sich auch in den solistischen Beiträgen des Saxophonquartetts: „Abschied“ von Krzysztof Penderecki ist ursprünglich für Klarinette und Streicher und wurde von einem früheren Mitglied der „Raschèrs“ bearbeitet. Intensive, dichte Klänge, Chromatik und klagende Töne wirken zusammen, werden gesteigert, aufgelöst und neu verbunden. Wie modern, komplex und rätselhaft Bachs Musik an sich und in ihrer Wirkung auf zeitgenössische Komponisten ist, erlebte man einerseits mit einer geführten chorischen Improvisation über die erste Choralzeile von „Komm, süßer Tod“, in der das Publikum in den Raumklang und die schwebenden Klänge der Chorensembles eintauchen konnte. Mit großem Atem und plastischer Gestaltung formten die Bläser einen Satz aus Bachs „Kunst der Fuge“.

Bevor sich Bläser und Chor mit der Bitte um Frieden aus der h-Moll-Messe erneut in eindringlichen Linien vereinigten, zeigten die Sänger mit fünf Spirituals aus Michael Tippetts „A child of our time“ ihre Flexibilität und Klangfülle. Für eine gute Stunde konnten sich die Zuhörer von der ebenso harmonischen wie aufrüttelnden Musik gefangen nehmen lassen und dankten mit anhaltendem Applaus.

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