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Ästhetik und Ethik der Moderne

Eine Ausstellung im Otten Kunstraum ist dem Schweizer Künstler Gottfried Honegger gewidmet, der 2016 verstarb.

Von Wolfgang Ölz

Gottfried Honegger gilt international als ein bedeutsamer Vertreter der konkret-konstruktivistischen Kunst. Im Otten Kunstraum sind nun Werke aus seiner frühen Zeit bis herauf zu seinen letzten Arbeiten kurz vor seinem Tod (17. Jänner 2016) ausgestellt. Wilhelm Otten ehrt mit dieser Ausstellung den Schweizer Künstler, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Bei der Vernissage am Samstag führte die Kuratorin des Kunstraumes, Ingrid Adamer, mit den beiden Weggefährten Guido Magnaguagno und Ruedi Christen ein Gespräch, das die Persönlichkeit Gottfried Honeggers plastisch werden ließ.

In der aktuellen Schau des Otten Kunstraum in Hohenems gibt es einiges zu entdecken: Malereien, Skulpturen, Collagen und Grafiken des Künstlers. Konstruktiv-konkret bedeutet nicht figurativ, sondern abstrakt, kein Gegenstand im Sinne einer naturalistischen Abbildung. Ingrid Adamer zitiert in einem Essay den Künstler, der betonte, dass die gegenstandsfreie Kunst dem Betrachter Freiräume für Imagination und Assoziationen biete und „Seh-Freiheit“ eröffne. Bereits Friedrich Schiller sagt in seinen ästhetischen Schriften sinngemäß, dass die echte Kunst in die größtmögliche persönliche Freiheit führt. Diese Freiheit wird in den Werken von Gottfried Honegger möglich, wenn sich der Betrachter auf Kunst jenseits des Diktats der Gegenständlichkeit einlassen kann und will.

Türöffner. Gottfried Honegger sei zwar keine Vaterfigur für Wilhelm Otten gewesen, er habe ihm aber unwahrscheinlich viel zu verdanken und es hätte sie eine herzliche Freundschaft verbunden. Otten betont, dass – ganz klassisch – Ästhetik bei Honegger immer mit Ethik zu tun habe. Die große Utopie der Moderne, dass Kunst nämlich den Menschen zum Guten hin umwandeln könne, hat Honegger nie aufgegeben, wiewohl er im Alter damit zufrieden war, dass der Mensch in einer ästhetisch schönen Welt besser lebt, und dabei zwar „nicht sehr viel anders wird, aber ein bisschen“. Gute Ästhetik sei wie eine Therapie, Hässlichkeit hingegen mache krank.

Sehr wichtig war für Gottfried Honegger seine Zeit in New York. Der Türöffner in die große Kunstwelt war eine Ausstellung von an die dreißig roten Bildern in der damals sehr wichtigen Galerie Martha Jackson. Der unbekannte Künstler verkaufte sämtliche Bilder an New Yorker Kunstgrößen bis hin zu Alfred Barr, dem damaligen Direktor des Museums of Modern Art, der den neu erworbenen Honegger sogleich ausstellte. Seinen Anflug von Stolz beschrieb Gottfried Honegger so: „Ich, der kleine zürcherisch-bündnerische Arbeiterbub, habe ein Bild im wichtigsten Museum für moderne Kunst auf der Welt.“

Viseur. In seiner späteren Zeit in Frankreich brachte der Künstler es soweit, dass die französischen Kulturminister in seinem Atelier ein und aus gingen. Er verwehrte sich immer einer Auffassung, die Kunst als reines Spekulationsobjekt betrachtet, wie das heute im internationalen Kunstgeschäft gang und gebe ist. Kunst soll nie für den Markt produziert werden. Kunst ist laut Wilhelm Otten, ganz Vorarlbergisch gesprochen das, „was ma nit bliba lo ka“.

Die heutige digitale Welt ist geprägt von schnelllebigen Bilderwelten. Gottfried Honeggers Anliegen, auch junge Menschen bezüglich ihrer Wahrnehmung zu sensibilisieren, sie das Sehen zu lehren, bekommt in diesem Zusammenhang eine geradezu prophetische Dimension. Mit seinem „Viseur“, einem speziell für Kinder entwickelten visuellen Baukasten, sollen die jungen Menschen spielerisch mit Formen und Farben umgehen lernen. Dieser „Viseur“ steht übrigens auch im Kunstraum zur Verfügung.

Der „Viseur“ kann am Samstag, dem 21. Oktober, bei freiem Eintritt bei einer Veranstaltung von 15 bis 18 Uhr ausprobiert werden. Die Schau läuft bis 2018.

<p class="caption">Wilhelm Otten zeigt im Kunstraum Werke von Gottfried Honegger. Den „Viseur“ (kleines Bild unten) kann der Besucher am Samstag selbst ausprobieren.  Wolfgang Ölz (3)</p>

Wilhelm Otten zeigt im Kunstraum Werke von Gottfried Honegger. Den „Viseur“ (kleines Bild unten) kann der Besucher am Samstag selbst ausprobieren.
 Wolfgang Ölz (3)

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