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Mit Gummistiefeln und Birkenstock

Interview. Nach 25 Jahren Pause ist die Vorarlberger Bluesband Never do Well seit 2014 wieder aktiv. Sänger Charlie Müllner spricht über einen verschwundenen Gitarristen, Gummistiefel und die Leidenschaft zum Blues.

Von Daniel Ongaretto-Furxer

Never do Well hatte 25 Jahre lang Pause. Wie haben Sie wieder zusammengefunden?

Charlie Müllner: Wir brauchten für die neue Orgel in Meiningen noch dringend Geld. Auf dem Fahrrad kam mir plötzlich die Idee, ein Benefizkonzert mit Never do Well zu spielen. Ich wusste, dass es wichtig ist, Bernie zu überzeugen, und so rief ich zuerst bei ihm an. Der hat spontan zugesagt und so haben wir uns im Sommer 2014 im Rankweiler Sternen das erste Mal seit vielen Jahren alle wieder gemeinsam getroffen.

Wie war das „Kennenlerntreffen“?

Müllner: Sehr förmlich und höflich. Wir erkundigten uns, wie es den Familien geht und was wir die ganzen Jahre gemacht haben. Erst langsam tauten wir auf. Nach der dritten Probe spürte ich, jetzt sind wir dort angekommen, wo wir früher waren. Ich muss dazu sagen, dass wir damals einen sehr lockeren Umgang miteinander hatten. Musikalisch haben sich alle weiterentwickelt und wir konnten auf einem anderen Niveau spielen. Mittlerweile sind wir im Jetzt angekommen und müssen nicht immer über die guten alten Zeiten reden.

Wie haben Sie die Leidenschaft zum Blues entdeckt?

Müllner: Blues, das war schon damals kein Mainstream. Die meisten hörten Boney M oder Neue Deutsche Welle. Es gab da ein paar wirklich gute Sendungen auf Ö3, die „Musicbox“ und die „Harte Währung“, da lief unter anderem auch Blues. Die spielten Little Walter, Howling Wolf und Muddy Waters. Das hat mir getaugt. Mich faszinierte der schwarze Blues von Anfang an, das war Intensität pur.

Wie ist Never do Well entstanden?

Müllner: Ich glaube, aus dem Selbermachen, es gab ja in den 1980er-Jahren fast nichts in Vorarlberg. Man hat sich alles selber organisiert. Ich war mit Bernie befreundet und so sind wir in den Jazzclub nach Lustenau, haben aufs Montreux Festival gestoppt oder sind ins Bergisel in Bregenz. Wir hatten damals eine Band, die hieß „Kudelmudel“, mit der haben wir schräge Sachen gespielt. Inspiriert von Frank Zappa oder Captain Beefheart spielten wir eine deutschsprachige Rotkäppchen-Vertonung. Bernie spielte damals noch Keyboard und war nicht der Sänger. Erst bei einer legendären Probe sang er plötzlich und wir erkannten das große Gesangstalent. Als ich ein halbes Jahr in Wien war, rief er mich einmal an und sagte: „So, jetzt hab ich die Band beisammen, jetzt können wir loslegen.“ Das war der Anfang von Never do Well.

Was ist die kurioseste Bandgeschichte?

Müllner: Wir haben einen Gig in der Schweiz gespielt und unser damaliger Gitarrist, Heinrich Frick, ist in der Pause einfach verschwunden. Er hat sich in ein Mädchen im Publikum verknallt und war einfach weg. Wir waren etwas ratlos, haben dann aber einen Saxofonisten aus dem Publikum, den wir kannten, auf die Bühne geholt, der mit uns das zweite Set bestritt. Das gab jedoch Ärger mit einem eingefleischten Never do Well-Fan, der nicht verstehen konnte, warum wir diesen Wechsel in der Pause vollzogen haben.

Was macht Sie als Band aus, damals wie heute?

Müllner: Ich glaube, dass wir als Band immer unseren ganz eigenen Weg gegangen sind. Wir haben uns „einen Dreck“ darum gekümmert, wie andere etwas machen. Ich erinnere mich daran, dass wir einmal Bandfotos gemacht haben, und da hatten ein paar von uns Birkenstockschuhe an. Josef Ess (Gründer des Musikladen, Anm.) meinte nur, dass das nicht dem Rockmusik-Klischee entspräche. Aber wir haben das öfters so gehandhabt. Auf dem Open Air St. Gallen sind wir zum Beispiel mit Gummistiefeln aufgetreten.

Was ist heute anders?

Müllner: Wir gehen nicht mehr nach jeder Probe Kegeln. Auch das Spielen in kleinen Clubs und Gasthäusern gehört der Vergangenheit an. Da jeder eine Familie hat, ist das große Pensum, das wir an Konzerten gespielt haben, gar nicht mehr möglich. Uns gefällt es so: Wir treffen uns im Frühling und sondieren, welche Lieder wir spielen wollen. Dann proben wir ab dem Sommer intensiv und spielen im Herbst ein bis zwei Konzerte. So leben wir den Blues.

<p class="caption">Never do Well damals und heute. Großes Bild rechts: Charlie Müllner.</p><p class="credit"> Never do Well/NEUE</p>

Never do Well damals und heute. Großes Bild rechts: Charlie Müllner.

 Never do Well/NEUE

Never do Well: Das Konzert

Charlie Müllner wurde 1961 geboren und lebt in Meiningen. Er ist der Sänger der Bluesband Never do Well, die seit 2014 und nach einer Bandpause von fast 25 Jahren in ihrer Originalbesetzung (Bernie Weber, Stefan Szalay, Michael Wocher, Joe Blocker, Johannes Kremmel und Charlie Müllner) wieder live zu hören ist. Das nächste Konzert spielt die Band am Mittwoch, dem 25. Oktober, um 20 Uhr im Alten Kino in Rankweil. Infos: www.alteskino.at

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