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Magnolienfrüchte als Kunstobjekt

Die aktuelle Ausstellung in der Johanniterkirche zeigt Skulpturen von Elisabeth Eberle.

Von Lisa Kammann

Laien können die formale Vorlage von Elisabeth Eberles Objekten wohl schwer identifizieren: Die Skulpturen, welche die Künstlerin in der Johanniterkirche Feldkirch ausstellt, sind auf die Früchte der Magnolienblüte zurückzuführen. Vergrößert und in die Kirche platziert, kommt die „bizarre Formenvielfalt“ der Früchte – so beschreibt es Gabriele Lutz – besonders zur Geltung. „Noli me tangere“ (zu Deutsch „berühr mich nicht“) heißt die Schau, die Eberles Skulpturen beeindruckend in Szene setzt.

Eberle wurde 1963 in Kanada geboren und lebt in Zürich. Während ihres naturwissenschaftlichen Studiums an der ETH Zürich setzte sie sich intensiv mit wissenschaftlichem Zeichnen und technischen Darstellungsformen auseinander. Technische Mittel wie die Mikroskopie oder digitale und dreidimensionale Bildgebungsverfahren setzt sie auch in ihrem künstlerischen Schaffen ein.

Skurrile Früchte. Aus natürlichen Objekten werden künstliche – dieser Verwandlung geht Eberle in ihrer Arbeit nach. Mit ihren Skulpturen, die die Künstlerin seit sieben Jahren anfertigt, und mit ihren riesigen Zeichnungen entsteht ein „digitalisiertes Herbarium“, wie es Guido Mangaguagno, ehemals Direktor des Tinguely Museums in Basel, bei der Eröffnungsrede ausdrückt. Im Zentrum steht dabei die Magnolienfrucht.
Die Künstlerin vergrößert diese skurrilen Früchte und überschreibt sie in ein digitales Bild, das anschließend mit einer ebenfalls digitalen Holzschneidemaschine zu einer Skulptur gefräst wird. Die zwei großen Werke in der Johanniterkirche, die am Boden platziert sind, sollte der Besucher tatsächlich nicht berühren: Sie sind mit Grafit beschichtet und haben nach einem längeren Aufenthalt im Freien Risse bekommen.

Berührt werden sollen hingegen die kleineren Skulpturen in der Sakristei: Mit Latex beschichtet und an elastischen Bändern aufgehängt, laden sie dazu ein, an ihnen zu ziehen. Dieses Spiel hat beinahe einen intimen Charakter: Die organischen Formen sind schwer zuzuordnen, einige wecken jedoch Assoziationen mit menschlichen Körperteilen. Teilweise erinnert die Oberflächenstruktur an Muskeln, die sich unter der Haut anspannen.

Verwandlung. Mangaguagno bietet weitere Assoziationen und Verweise an. So gehe es auch um eine Metamorphose, meint er: einerseits die Wandlung von Natur- zum Kunstobjekt, andererseits die Verwandlung der Pflanze: das Verblühen der Blüte, die Fruchtbarkeit der Samenkapsel, die schließlich ungeöffnet zerfällt. Eberle merkt im Gespräch an, dass es purer Zufall sei, welche Frucht sich öffnet und damit ihre Samen freigibt, und welche nicht. Dieser Prozess ist auch ein beeindruckendes Farbenspiel: Knallpink sind die reifen Früchte, intensiv rot die Samen.

Weitere Gedankenverbindungen ergeben sich durch den Ausstellungsraum. Wie ein „Cerberus“ bewachen die „hässlichen Ungeheuer“ den Weg zum Altar, die wie „digitale Missgeburten“ am Boden lauern, meint Mangaguagno. Er erwähnt auch den „via crucis“, Schmerz und Leid, versehrte Körper, das Fehlen von körperlicher Integrität. Auch die Archäologie (Findlinge) oder der Krieg (geschundene Körper) sowie Kafka („dunkle Zonen der Menschheit“) bieten Assoziationsmöglichkeiten an.

Es ist die Verbindung von Wissenschaft und Kunst und die Faszination an dieser besonderen Frucht, die in dieser Ausstellung deutlich wird. Und abermals hat Arno Egger als Kurator Werke in die Johanniterkirche gebracht, die ein Wechselspiel von Kunst und Raum erzeugen.

Elisabeth Eberle. „Noli me tangere“. Bis 23. Dezember in der Johanniterkirche Feldkirch. Di. bis Fr., 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 14 Uhr geöffnet.

<p class="caption">Den Skulpturen von Elisabeth Eberle dient die Magnolienfrucht als Vorlage. In der Sakristei sind kleinere Objekte installiert. Kleines Bild links: Eberle in der Johanniterkirche.  Lisa Kammann (3)</p>

Den Skulpturen von Elisabeth Eberle dient die Magnolienfrucht als Vorlage. In der Sakristei sind kleinere Objekte installiert. Kleines Bild links: Eberle in der Johanniterkirche.  Lisa Kammann (3)

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