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Die Finsternis und Fremde im eigenen Ich

Peter Badstübner und Luis Lüps auf dem Boot durch den afghanischen Regenwald (v.l.).  Caro Stark

Peter Badstübner und Luis Lüps auf dem Boot durch den afghanischen Regenwald (v.l.).  Caro Stark

Am Sonntag feiert „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz als unpop-Produktion im ­Kulturhaus Dornbirn Premiere.

Von Lisa Kammann

Eine Reise in eine verworrene, skurrile Welt, in die Finsternis des Fremden, und in das Dunkle des eigenen Ichs – das ist „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz. Mit der neuen Inszenierung bringt das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung, kurz unpop, zum zweiten Mal ein Werk des deutschen Autors auf die Bühne im Kulturhaus Dornbirn. „In seinen Stücken spiegelt sich die Außenwelt in Splittern“, beschrieb das Ensemble die dramatische Arbeit Lotz’. Dies gilt nicht nur für „Einige Nachrichten aus dem All“, das 2016 von Stephan Kasimir inszeniert wurde, sondern auch für „Die lächerliche Finsternis“.

Die literarische Vorlage des Stücks bildet „Das Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad. In dieser Erzählung von 1899 dringt der Seefahrer und Erzähler Marlow in die Tiefen des Dschungels im Kongo vor und trifft auf wahnsinnige und fremdartige Figuren. Auch Francis Ford Coppola nutzte für seinen Film „Apocalypse Now“ (1979) Conrads Erzählung als Vorlage, er übertrug das Motiv in den Vietnamkrieg: Mit einem Boot lässt er eine amerikanische Spezialeinheit auf der Suche nach dem angeblich verrückt gewordenen Colonel Walter Kurtz in die Tiefen des Dschungels in Kambodscha vorstoßen.

Skurrile Reise. Lotz kombiniert mehrere Elemente aus diesen erzählerischen Vorlagen und überträgt sie in eine geografisch unrealistische Region: In der lächerlichen Finsternis sind es der Hauptfeldwebel Pellner und der Gefreite Dorsch (gespielt von Peter Badstübner und Luis Lüps), die auf einem Boot den afghanischen Regenwald am Hindukusch durchfahren. Ihr Auftrag: den – ebenfalls angeblich durchgedrehten – Oberstleutnant Deutinger (Karl M. Sibelius) zu liquidieren. Auf ihrer Reise treffen die beiden auf zumindest merkwürdige Figuren aller Art: Kriegshändler aus dem Jugoslawien-Krieg, Blauhelmsoldaten, die ihren Verstand wegen Urinspritzern auf der Klobrille verlieren, oder Einheimische mit vorgeblich fremden Sitten.

Das Kolonialismus-Motiv wird in dem Stück in die Gegenwart weitergetragen und in Verbindung mit dem globalisierten Heute gesetzt. Caro Stark, verantwortlich für die Ausstattung, gibt den Coltan-Abbau in Afrika als Beispiel an: Ein Rohstoff, der für die Herstellung von Smartphones benutzt wird. Doch Lotz ginge es weniger um eine politische Anklage der Globalisierung durch eine simple Abbildung realer Verhältnisse, sagt Kasimir. Vielmehr geht es im Kern der Geschichte um Menschen und ihre Erlebnisse. „Zwei Menschen sitzen in einem Boot. Wenn sie nicht miteinander zurecht kommen, wie kann die Welt dann zurechtkommen?“, fragt der Regisseur.

Dass einzelne Motive aus verschiedenen Zeiten, Orten und Kriegen zusammengemischt und überlagert werden, mache das Bitter-Ernste auch leichter, meint Kasimir. „In dem Stück prallen Wirklichkeit und Fiktion aufeinander. Ich stelle im Theater auch nicht die Welt dar, wie sie ist, sondern so, wie ich sie gerne hätte oder wie ich sie nicht will.“

Das Fremde im Ich. Schlussend­lich sei es auch eine Reise in das eigene, wirre Ich. Je näher die beiden Protagonisten Deutinger kommen würden, umso mehr würden sie an ihre eigenen Grenzen stoßen, meint der Regisseur. Es gehe auch um das Fremde im Selbst. Wenn Pellner und Dorsch Deutinger finden, treffen sie auch nicht auf einen Verrückten, sondern auf das, was sie selbst sind: einen Menschen mit einer eigenen Geschichte.

Eine zweites Handlungselement bildet der somalische Pirat Ultimo Michael Pussi (Anwar Kashlan), der vor Gericht steht und den Verlust seines Freundes Tofdau beklagt. Diese Figur kehrt am Ende des Stücks überraschend wieder. In weiteren Rollen sind Maria Fliri und Wolfgang Pevestorf zu sehen.

Obwohl das Stück ursprünglich als Hörspiel konzipert sei, zeuge es von einer „wunderbaren Theatralik“, sagt Kasimir. „Die lächerliche Finsternis“ gehört zu den meistgespielten Stücken 2015 im deutschsprachigen Raum.

„Die lächerliche...“

„Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz. Eine unpop-Produktion.
Premiere: Sonntag, 29. Oktober, Kulturhaus Dornbirn.
Weitere Aufführungen:
31. Oktober, 1., 2., 7. und 8. November, jeweils um 20 Uhr.
Kartenvorverkauf:
www.laendleticket.at
Infos: www.unpop.at

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