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Lauterach

Mehr ist mehr ist mehr: Silvia Salzmanns Tanzstück „More“

Silvia Salzmann.  Roland Maria Reiniger

Silvia Salzmann.  Roland Maria Reiniger

Das Tanzstück „More“ von Silvia Salzmann zeigt sich bei der Premiere in Lauterach als Collage an starken Bildern.

Alles ist weiß. Die Leuchten, die von der Decke hängen, Plas­tikplanen, das Licht und der Kittel der Tänzerin, die auf der Bühne steht. Die sanften Klänge von Bachs Goldberg-Variationen ertönen. Eigentlich ein Schlaflied, doch der Körper findet keine Ruhe. Die Arme sind verkrampft hinter dem Rücken verschränkt, eingeengt, gefesselt wie in einer Zwangsjacke. Die Tänzerin rebelliert, bewegt sich ruckartig, will ausbrechen, frei sein von Zwängen. Die zarte Musik verstummt, wird ersetzt von elektronischem Morsecode, als sich der Körper aufbäumt und entfesselt. Hemmungslos bewegt, stets an der Grenze zwischen zu viel und zu wenig.

Ausgezeichnet.

Das interdisziplinäre Tanzstück „More“ macht unsere Konsumzwänge, den Überfluss unserer Wohlstandsgesellschaft und das ständige Verlangen nach mehr zum Thema. Choreografin und Tänzerin Silvia Salzmann wurde 2016 für ihr Kurzstück „More“ der mit 10.000 Euro dotierten Vorarlberger Kulturpreis verliehen. Dies bot die Möglichkeit, dieses auszuarbeiten und in einer Langversion in der Alten Seifenfabrik auf die Bühne zu bringen.

Zusammenarbeit. Von Beginn an hat Salzmann „More“ als interdisziplinäres Stück konzipiert, in dem verschiedene Kunstformen gleichwertig nebeneinanderstehen. So gibt es Videostills von Sarah Mistura, Texte von Mirjam Steinbock, Soundcollagen und Songs von Markus Rainer in Zusammenarbeit mit Florian M. L. Koller, der auch seine Stimme auf die Bühne brachte. Und last but not least das eindrückliche Bühnenbild von Manuel Silvo Schäfler, das ganz in Weiß gehalten ist. Zusammen verschmelzen die Kunstformen zu einem stimmigen Ganzen.

Styroporbälle in allen Größen kullern über die Bühne. Aus einer Maschine poppt frisches Popcorn. Zucker rieselt aus einem Ball und formt kleine Berge am Boden. Weiße Luftballons werden so innig umarmt, bis sie platzen. Der Tisch wird mit Gläsern, Flaschen und Tellern gedeckt. Die Tänzerin sprüht Sahne auf den Teller und stopft sich das Popcorn in den Mund. Eins, zwei, drei und immer mehr. Fresswahn, Verschwendung und Konsumzwang. Es gibt kein Halten mehr.

Salzmann erzählt in ­„More“ keine lineare Geschichte. Es ist eine Collage an starken Bildern. Am Ende sitzt sie am Tisch. Mit Zuckerwatte in der Hand zündet sie eine einzelne Kerze an und spielt Bach aus dem Radio. Ist dies der Moment der Entspannung, der Befreiung von den Zwängen? Eine Erinnerung an die Kindheit, als man noch mit wenig zufrieden war? Der Augenblick der Realisierung, dass es gar nicht immer mehr braucht? Doch die Füße unter dem Tisch beginnen schon wieder mit ihrem Spiel, bewegen sich ungehemmt. Sie finden keine Ruhe. Das zahlreich erschienene Premieren-Publikum ist begeistert und bedankt sich mit lang anhaltendem Applaus.

Caroline Begle

„More“ ist am 11. November in der Tanzwerkstatt St. Margrethen zu sehen.

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