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Spiel mit Dimensionen in Raum und Zeit

Monika Supés Zeichnungen und die Künstlerin (unten) in der Galerie allerArt.

Monika Supés Zeichnungen und die Künstlerin (unten) in der Galerie allerArt.

Monika Supé zeigt in der Galerie allerArt Drahtskulpturen und Zeichnungen – und eröffnet damit ein neues Raum- und Zeitverständnis.

Von Lisa Kammann

Raum, Körper und Zeit sind wesentliche Größen im künstlerischen Schaffen von Monika Supé. Die deutsche Künstlerin (geboren 1967 in München) zeigt in der Galerie allerArt Drahtskulpturen und Zeichnungen unter dem Titel „(in)finitum“. Der völlig weiße Raum der Galerie in der Remise Bludenz passt überaus zu Supés Werken: Die im Raum platzierten Drahtskulpturen, mit einem dünnen schwarzen Draht gehäkelt, gelangen in der Wahrnehmung des Betrachters vor diesem Hintergrund besonders zur Geltung. „Es ist, als ob ich selbst in einem Werk von mir stehen würde“, sagt die Künstlerin bei der Eröffnung begeistert.

Der Titel der Schau spricht ein zentrales Thema an, das in der Betrachtung der Werke selbst erlebt werden kann: die Grenzen, die der Körper im Raum setzt, seine Oberfläche, die als begrenzende Hülle den Raum neu bestimmt – oder erst entstehen lässt. Körper und Raum bedingen einander: „Denn gäbe es keinen Zwischenraum, ließen sich Körper nicht voneinander unterscheiden, und gäbe es keine begrenzenden Körper, dann ließe sich kein Raum erkennen. Körper und Raum sind also zwei Teile eines Ganzen, getrennt durch eine dünne Grenze: die Oberfläche des Körpers“ – so beschreibt es Supé in ihrem Ausstellungskonzept.

Schwärze, Fläche, Tiefe. Es ist auch ein Spiel mit den Dimensionen, das in den Werken der Künstlerin praktiziert wird. Kuratorin Andrea Fink erwähnt in diesem Zusammenhang die Novelle „Flatland“ von Edwin A. Abbott aus dem 19. Jahrhundert. Abbott beschrieb mit der Parabel auf die starre viktorianische Gesellschaftsstruktur eine zweidimensionale Welt, deren Bewohner in ihrer Perspektive Objekte nur als Linie wahrnehmen können. Paul Watzlawick erklärte mit diesem Denkmodell später die Relativität unserer Auffassung von Wirklichkeit.

In Supés Drahtskulpturen kann dieser Ansatz erprobt werden: Je nach dem Ausgangspunkt der Betrachtung, der räumlichen Perspektive, entstehen schwarze, verdichtete Flächen, unterschiedliche Umrisse, Tiefen oder zweidimensionale Oberflächen. Die gehäkelten Maschen sind gleichzeitig durchlässig und verdichtend, die Skulptur ändert ihre Erscheinung in der Bewegung des Betrachters. Exemplarisch dafür ist „Kleiderkörper 1“ (2015). Wie die abgelegte Hülle eines Frauenkörpers, beinahe wie ein Kleid, hängt die Skulptur im Raum. „Kleidung ist die einfachste Form der Raumbildung“, sagt Supé.

Vierte Dimension. Deutlich ist die intensive Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Raum zu erkennen: Supé war im Bereich Architektur und Raumgestaltung tätig, bevor sie 2011 freischaffende Künstlerin wurde. Mit der Zeit wird eine vierte Dimension in das Werkverständnis integriert.

Wesentlich sind hier die großformatigen Zeichnungen. Sie entstehen in einem langwierigen Arbeitsvorgang, erklärt Supé. Die drei ausgestellten Bilder zeigen Frauenkörper, die wie die Skulpturen ihre Form durch Maschen erhalten: Sie entstehen also aus einer einzigen Linie, deren Verlauf nachverfolgt werden kann. Durch die Aneinanderreihung der kleinen Maschen entsteht eine Illusion von Räumlichkeit im zweidimensionalen Bild. Je nach Nähe des Betrachters wirken die Körper mehr oder weniger plastisch, sagt Supé.

Die „Laufmaschen“, welche die Oberfläche der Körper teilweise wieder auflösen, ergeben sich aus einer Überlegung der Künstlerin zur Zeit: Unser lineares Zeitverständnis sei nicht universal gültig, wie Theorien und Experimente aus der Physik darlegen. Ein Beispiel sei hier nicht nur Einsteins Relativitätstheorie, sondern auch Beobachtungen in der Quantenphysik, erläutert die Künstlerin. Kleinste Teilchen agieren, als stünden sie in Verbindung mit Zukunft und Vergangenheit – wie ein gehäkelter Zeitteppich, der nicht nur in eine Richtung verläuft (wie die Laufmasche rückwärts), und mit allen Punkten gleichzeitig verbunden ist.

„(in)finitum“ ist eine spannende Ausstellung, die theoretische Überlegungen über Raum und Zeit erlebbar macht und unsere Wahrnehmung auf die Probe stellt.

„(in)finitum“. Bis 7. Jänner in der Galerie allerArt in Bludenz. Mittwoch bis Samstag, Sonn- und Feiertag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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