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Party ohne Grund: „Swing“ im Spielboden

Martin Hemmer, Isabella Jeschke, Susanne Brandt und Michaela Bilgeri in „Swing“ (v.l.).  Sarah Mistura

Martin Hemmer, Isabella Jeschke, Susanne Brandt und Michaela Bilgeri in „Swing“ (v.l.).  Sarah Mistura

Das neue Stück des „aktionstheater ensemble“ heißt „swing. dance to the right“ und wird kommenden Dienstag im Spielboden uraufgeführt.

Von Lisa Kammann

Das preisgekrönte aktionstheater ensemble, das gerade ein hohes Maß an Aufmerksamkeit in Österreich erhält, wird in der kommenden Woche mit seinem neuen Stück im Spielboden Dornbirn gastieren. Dort wird am Dienstag die Uraufführung von „Swing“ über die Bühne gehen. Martin Gruber hat damit erneut ein Stück konzipiert, das aktuelle gesellschaftspolitische Fragen in eine performative, theatrale Kunstform versetzt.

„Swing“ soll ein Ausdruck der gegenwärtigen Stimmung der österreichischen Gesellschaft und Politik sein, erklärt Gruber in einem Gespräch. Es ist die Beschreibung eines Zustandes, der „als Temperatur“ auf der Bühne erscheint. Es sei für ihn spannend, diese Stimmung mit dem Ensemble künstlerisch umzusetzen, die der Theatermacher folgend skizziert: „Es ist eine Form von Abwarten, eine Lähmung von Teilen der Gesellschaft“. „Rasanter Stillstand“, „fiebrige Agonie“ – so nimmt Gruber diesen paradoxen Zustand wahr. Bezogen auf die politische Situation, sei momentan von ­„Veränderung“ die Rede, einem „neuen Stil“, wobei diese Begriffe sich nicht realisieren, sondern als „dümmliche Floskel“ ausharren.

Bewegung. Ein Aspekt, der mit dieser Stimmung zusammenhängt, ist die politische Inhaltslosigkeit. Der florierende Populismus, der sich nicht an politischen Diskursen, sondern an den Emotionen der Gesellschaft orientiert, soll in „Swing“ reflektiert werden, denn: „Ich mache mit Theater keine Politik, sondern reflektiere die Gesellschaft“, sagt der Regisseur. Eine Spiegelung dieser gesellschaftspolitischen Gegenwart vollzieht sich in den Bewegungen der Schauspieler. Eine „klassische Handlung“ wird im Stück durch Bewegung ersetzt – „wie im richtigen Leben“, merkt Gruber an. Für die Produktion wurde eine exakte Choreografie erarbeitet.

Den Text zu dem Stück hat der Regisseur in Gesprächen und in Interviews mit den Schauspielern zusammengetragen. Anschließend wurde der Text zu einer Komposition erarbeitet. Das sprachliche Material beschreibt Gruber als „stream of consciousness“ (Bewusstseinsstrom). Der Text verläuft wie eine Reaktionskette: Die erste Person sagt zum Beispiel etwas, worüber sich die zweite aufregt, und so weiter. Dadurch treten starke Emotionen hervor: „Was an der Oberfläche als Banalität erscheint, erzeugt Wut. Und was sich als Wut zeigt, ist im Grunde Verzweiflung“, meint Gruber.

Diffuse Ängste und Wut werden oftmals auf ein Feindbild projiziert. Auch in „Swing“ gibt es ein „kreiertes Feindbild“. Welche Volksgruppe Gruber als Objekt des Zorns ausgewählt hat, sei nicht wichtig, denn das sei „ohnehin austauschbar“.

Einsamkeit. Im Laufe der vergangenen Produktionen habe Gruber erkannt, dass Einsamkeit ein übergeordnetes Thema in seiner Arbeit darstelle, erklärt er. Das hängt auch mit der tendenziellen Entsolidarisierung in der Gesellschaft und dem Abbau einer „humanistischen Grundhaltung“ zusammen. In zahlreichen Gesprächen und in der Arbeit mit dem Ensemble habe der Regisseur eine starke Sehnsucht nach einem Miteinander registriert. Und so wird auch in „Swing“ die Vereinsamung auf einer performativen Ebene dargestellt.

Der Titel ist ebenfalls aussagekräftig: Der Swing ist für den Regisseur eine „Attitüde“, ein vermeintliches Beschwingt-sein. Derjenige, der swingt, ist fröhlich, aber weiß eigentlich nicht, warum – „eine Party ohne Grund“. Dass der Swing während und nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland populär war, sieht Gruber als Zeichen der Verdrängung. Swing-Elemente seien nur die Basis für die Musik, für die Andreas Dauböck verantwortlich zeichnet.

Wut, Einsamkeit, Angst: Es sind elementare Gefühle, die in dem neuen Stück des aktionstheater ensemble – spürbar für das Publikum – zum Ausdruck kommen sollen. Für Gruber passt das in unsere Gegenwart: „Es ist nicht die Zeit für postdramatische Distanz.“

„Swing. dance to the right“: Termine

Das Stück ist eine Produktion des aktionstheater ensemble, in Kooperation mit Spielboden Dornbirn und Werk X (Wien). Dramaturgie: Martin Ojster, Video: Bella Angora. Es spielen mit: Michaela Bilgeri, Susanne Brandt, Martin Hemmer, Isabella Jeschke, Nicolaas van Diepen. Die Uraufführung am 5. Dezember ist bereits ausverkauft. Weitere Termine im Spielboden: Do., 7., Fr., 8., Sa., 9. Dezember, jeweils um 20.30 Uhr. Infos und Karten: www.spielboden.at

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