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Malen, wenn die Sprache noch fehlt

Mostafa vor seinem Bild „Islamische Kultur“. Kleines Bild: Melanis Werk „die Mutter mit Baby“.  Wolfgang Ölz (2)

Mostafa vor seinem Bild „Islamische Kultur“. Kleines Bild: Melanis Werk „die Mutter mit Baby“.  Wolfgang Ölz (2)

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge stellen ihre Werke im Landhaus aus. Präsentiert werden die Ergebnisse aus zwei Projekten.

Von Wolfgang Ölz

In Bregenz betreut die Caritas im Haus Said 37 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Nun haben sich „unsere Jungs“, wie Haus-Leiterin Margaritha Matt sagt, in zwei Workshops mit dem Kunsthauspädagogen Marco Ceroli künstlerisch betätigt. Die Ergebnisse werden nun im Landhaus in Bregenz ausgestellt. Der erfahrene Kunstpädagoge Marco Ceroli ist überzeugt, dass – wo die Sprache noch fehlt – traumatische Erlebnisse über das Visuelle ausgedrückt und verarbeitet werden können. Außerdem sind künstlerische Arbeiten des Stipendienprogramms Start-Vorarlberg zu sehen, das Schüler mit Migrationshintergrund ermutigt, eine höhere Schulausbildung zu absolvieren.

Matt sieht es als ihre Aufgabe, den jungen Burschen im Haus Said ein Stück gelebte Jugend, ja, Kindheit zu schenken. „Die Jungs erfahren über die Fertigstellung ihrer Kunstwerke das erste Mal in ihrem Leben so etwas wie Anerkennung“, weiß Matt. „Said“ ist arabisch und bedeutet „Der Glückliche“. Sandra Kunz von Start-Vorarlberg erzählt, dass die Jugendlichen im Rahmen des Programms gemeinsam mit dem Künstler Hans Schwärzler bei einem Acryl-Mal-Workshop drei Wohnzimmertüren bemalt haben. Kunz ist überzeugt, dass Vielfalt keine Bedrohung sein muss und positive Integration möglich ist.

Symbol für die Liebe. „Die Jugendlichen haben mit ihren Werken ihre Räume gestaltet“, erzählt Matt, „und über die Bilder kommen sie ganz ungezwungen mit den Gästen oder den über 80 Freiwilligen, die uns in unserer Alltagsarbeit engagiert unterstützen, ins Gespräch.“ Die Workshops waren für Matt sehr berührend: „Ich habe jeden der Jungs sehr bei sich erlebt und ich bin überzeugt, dass diese Form von Zuwendung viel dazu beitragen kann, dass sich der Jugendliche wohlfühlt, mit sich beschäftigt ist und versunken in das, was er ausdrücken möchte“, erzählt sie. „Das hat dazu beigetragen, dass diese Menschen, die sozusagen Unfassbares ‚überlebt‘ haben, es verarbeiten, ankommen und Perspektiven entwickeln können.“

Einer dieser jungen Menschen ist Mostafa. Er ist 18 Jahre alt und ist auf abenteuerliche Weise in einer Gruppe von zwanzig Flüchtlingen mit Bus, Zug und zum Teil zu Fuß von Afghanistan nach Vorarlberg gekommen. Nun macht er hier seinen Pflichtschulabschluss. Sein Bild trägt den Titel „Islamische Kultur“ und zeigt eine Moschee und den Koran mit einer arabischen Inschrift die „Im Namen Allahs“ bedeutet.

Amanullah, 16 Jahre alt, wollte in seinen Bildern die Liebe zu seinen Freunden ausdrücken. Außerdem zeigt er mit den Herzen auch seine Liebe zu Österreich und Vorarlberg. Mahdi, 17 Jahre, hat typische Sachen aus Österreich wie die Wälder und die Form von Österreich dargestellt. Und, wie er betont: „Das ‚Pace‘-Zeichen in der Mitte soll zeigen, wie toll es ist, dass in Österreich Friede herrscht.“ Asim, 17 Jahre, wiederum zeigt in seinem Bild die Reise, die viele Flüchtlinge auf sich nehmen müssen. Melani dagegen hat einen universellen Anspruch verwirklicht, wenn er sagt: „Ich finde mein Bild sehr schön und bin sehr stolz darauf. Ich wollte unbedingt eine Mutter mit einem Baby malen, weil das ein Symbol für die Liebe auf der ganzen Welt ist.“

Trauma. Der Pädagoge des Kunsthauses Bregenz, der Italiener Marco Ceroli, sieht seine Kunst darin, andere Menschen dazu zu bringen, sich künstlerisch auszudrücken. In Bregenz arbeitet der Kreativpädagoge bereits seit 1999. Gemeinsam mit Marco Ceroli besuchten die Jugendlichen aus dem Haus Said 2016 die Ausstellung von Wael Shawky, die das fast tausendjährige Trauma der Muslime bezüglich der Kreuzzüge thematisiert.

Ceroli hatte dabei den Jugendlichen, die kaum der deutschen Sprache mächtig waren, mit Händen und Zeichnungen die Ausstellung erklärt. Anschließend fanden sie im Malraum Gelegenheit, selbst künstlerisch tätig zu werden.

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Mostafa vor seinem Bild „Islamische Kultur“. Kleines Bild: Melanis Werk „die Mutter mit Baby“.  Wolfgang Ölz (2)

„Kunst, Toleranz und Flucht“

In der Ausstellung präsentieren Jugendliche vom Haus Said der Caritas Flüchtlingshilfe und dem Verein Start-Vorarlberg gemeinsam ihre künstlerischen Arbeiten. Die Schau ist bis 15. Dezember im Bregenzer Landhaus zu sehen.

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