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Über einsame Pinguine und Chinesen

Susanne Brandt, Michaela Bilgeri, Martin Hemmer und Nicolaas van Diepen (v.l.). Isabella Jeschke (kleines Bild) überzeugte wie das gesamte Ensemble. Dietmar Stiplovsek (2)

Susanne Brandt, Michaela Bilgeri, Martin Hemmer und Nicolaas van Diepen (v.l.). Isabella Jeschke (kleines Bild) überzeugte wie das gesamte Ensemble. Dietmar Stiplovsek (2)

Eine wirkungsvolle aktionstheater-Produktion: „Swing“ begeisterte das Publikum im Spielboden.

Von Lisa Kammann

Gute Laune, immer locker bleiben, lustig sein: Das ist der Swing. Zuerst kommt die Bewegung – in welche Richtung eigentlich? – und dann die kollektive Heiterkeit. Dass im neuen Stück des aktionstheater ensembles die fröhliche Stimmmung jedoch äußerst fragil und nur an der Oberfläche existiert, wird dem Publikum schnell klar. Die Uraufführung von „Swing“ im Spielboden Dornbirn hat die Zuschauer nicht kaltgelassen. Denn eines bestätigte der Abend erneut: Das Ensemble in der Inszenierung von Martin Gruber hat die Fähigkeit, den Zuschauer auf eine besondere Art und Weise direkt zu erreichen und in diesem Emotionen zu generieren.

Inhaltlich soll das Stück die „kollektive Stimmung“ im Land spiegeln. Thematisiert wird gleich zu Beginn das vergangene Wahlergebnis. Martin Hemmer lässt das Publikum auf einem Wahlzettel abstimmen, wie das nächste aktionstheater-Stück werden soll – jedoch nur die erste Reihe (aus Zeitgründen), und nur, um die eingesammelten Zettel dann wieder auf den Boden zu schmeißen. Die Stimme für die Katz also.

Deutlich politisch wird es, wenn gegen die Chinesen gewettert wird („Tsching Tschang Tschung“) und in Anspielungen an die österreichische Heimatliebe (Der Dirndl-Kirtag im Pielachtal). Ansonsten wird das Politische meist subtil im Privaten und in den zugewiesenen Charakterzügen der Darsteller platziert. Da ist zum Beispiel der affirmative Mitläufer (Martin Hemmer), der körperbewusste Gute-Laune-Typ (Nicolaas van Diepen) und die Naive, die gefallen möchte (Isabella Jeschke). Ein klares Statement bleibt jedoch aus – das ist wohl gewollt, geht es doch mehr darum, eine spezifische Stimmung zu transportieren, ohne dem Zuschauer eine gedankliche Richtung vorzuzeichnen.

Schöne Haare. Das Spiel ist eine dynamische Kombination aus repetitiven Tanzbewegungen, Sprache und Musik: Andreas Dauböck rockt auf der E-Gitarre, mit Mundharmonika und Membranofon – kein beschwingter Swing-Sound, aber energiegeladene Musik, die auch die praktizierte Chinesen-Hetze aufgreift („Drei Chinesen mit dem Kontrabass“).

Der Hüftschwung sticht in der Choreografie hervor. Nicolaas van Diepen erklärt, wie das mit der Bewegung funktioniert: locker bleiben, den Schwung der vorherigen in die nächste Bewegung mitnehmen, wo auch immer diese hinführt. Das macht die gute Laune – „einfach so“. Der Kopf bewegt sich mit, die Haare sind nach 100 Bürstenstrichen schön. Immer wieder tritt einer aus dem Kollektiv aus: Susanne Brandt erzählt von ihrem österreichischen Freund, zeigt ihren neuen BH und schimpft über die Chinesen und das andere „Gesocks“: Dass das „alle Arschlöcher“ sind, das darf man jetzt ja wieder sagen.

Sehr effektiv sind auch Martin Hemmer und Isabella Jeschke. Sie redet viel über ihren Freund, und erzählt, wie sie sich einmal für ein angebliches L’Oreal-Casting vor einer Webcam ausgezogen hat. Wenn Jeschke mit runtergelassenen Hosen dasteht und darüber redet, wie gut oder schlecht sie aussieht, wenn sie weint – das berührt. Es sind diese Momente, die die Verletzlichkeit des Menschen zeigen, in der sich diese direkte Wirkung des Ensembles zeigt. Martin Hemmer spielt und singt am Piano mehrmals ein Lied, das von einem einsamen Pinguin handelt. Was zu Beginn noch belächelt wird, ist am Ende tatsächlich bewegend: Die Einsamkeit wird greifbar. Die hervorragende Leistung der Schauspieler und die Inszenierung werden mit großem Applaus und Jubel belohnt.

Rührend blieb es auch im Anschluss, als Gruber Martin Ojster dankte, der ihn und das Ensemble seit 20 Jahren als Dramaturg, Produktionsleiter und Freund unterstützt. Die Schauspieler dankten mit einer Musical-Einlage.

„Swing“. aktionstheater ensemble. Weitere Termine in Dornbirn: www.spielboden.at

<p class="caption">Susanne Brandt, Michaela Bilgeri, Martin Hemmer und Nicolaas van Diepen (v.l.). Isabella Jeschke (kleines Bild) überzeugte wie das gesamte Ensemble. Dietmar Stiplovsek (2)</p>

Susanne Brandt, Michaela Bilgeri, Martin Hemmer und Nicolaas van Diepen (v.l.). Isabella Jeschke (kleines Bild) überzeugte wie das gesamte Ensemble. Dietmar Stiplovsek (2)

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