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Zürich

Wortgewitter in Lenaus Innerem

Die Oper „Lunea“. Paul Leclaire

Die Oper „Lunea“. Paul Leclaire

Jubel bei der Uraufführung von Heinz Holligers „Lunea“ im Opernhaus Zürich.

Die Spannung im Opernhaus Zürich war förmlich zu greifen, als der Schweizer Komponist und Dirigent Heinz Holliger seine Oper Lunea zur Uraufführung brachte. Am Ende herrschte großer Jubel über eine ungemein dichte Komposition, eine in ihrer Geschlossenheit und Ästhetik faszinierende Inszenierung und über eine herausragende musikalische Umsetzung.

„Lenau-Szenen in 23 Lebensblättern“ nennt Holliger sein neues Werk, zu dem der österreichische Autor Händl Klaus das Libretto geschaffen hat. Keine lineare Geschichte oder gar Biografie wird erzählt, es sind Szenen, Begegnungen, Gedanken, Gedichte, Träume, Briefe, Visionen, die uns einen Einblick in die Wortgewitter im Inneren von Lenaus Kopf gewähren und dazu Stationen aus dem Leben des Dichters beleuchten.

Hervorgegangen, weiterentwickelt und in ein neues Werk verwandelt ist „Lunea“ – der Titel ist ein Anagramm für Lenau – aus dem gleichnamigen Liederzyklus, den Holliger vor fünf Jahren für Christian Gerhaher komponiert hatte. In einem „Notizbuch aus Winnenthal“ hatte Holliger die aphoristisch kurzen Notizen Lenaus gefunden und war fasziniert gewesen von der Kühnheit der Sprachbilder, die einen ganz neuen „Ton“ anschlagen. Nach Winnenthal, eine Nervenheilanstalt bei Stuttgart, war Lenau 1844 nach einem Schlaganfall eingewiesen worden, er galt als geisteskrank, gestorben ist er sechs Jahre später in einer ähnlichen Einrichtung bei Wien.

Vielschichtig. Auch das Musiktheater „Lunea“ ist für Christian Gerhaher, den so wandlungsfähigen, intensiv gestaltenden Bariton, komponiert, der sich voll und ganz in die Darstellung dieses vielschichtigen und gefährdeten Charakters hineinbegibt. Textdeutlichkeit auch in der modernen Tonsprache Holligers mit den Brüchen, dem Stammeln, Abbrechen, rückwärts Sprechen, das Händl Klaus seinen Figuren in den Mund legt, ist oberstes Gebot. Hinzu kommt seine starke Bühnenpräsenz, bis hin zur Körpersprache eines vom Schlag Getroffenen, der wahnsinnig oder auch hellsichtig geworden ist.

An seiner Seite glänzen Juliane Banse als die langjährige Geliebte Sophie von Löwenthal, Sarah Maria Sun in verschiedenen Frauenrollen, zu denen der Dichter eine Beziehung versucht hatte, und Annette Schönmüller als Lenaus Schwes­ter Therese. Eine große Rolle spielt neben zwei kleineren Männerpartien ein zwölfstimmiger Chor, der als die inneren Stimmen des Kranken von hinten oder auch auf der Bühne kommentierend eingesetzt wird.

Holligers Musik entwickelt eine große Sogkraft mit ihrer durchsichtigen und ungeheuer vielschichtig aufgefächerten Instrumentation. Streicher, Holz- und Blechbläser und vor allem eine Vielzahl von Schlaginstrumenten wispern, rauschen, rascheln, bäumen sich in kürzeren Ausbrüchen auf und verlöschen in den letzten Szenen in einem geheimnisvollen Klangraum. Regisseur Andreas Homoki setzt dieses neue Werk mit großer Behutsamkeit, Konzentration und Wertschätzung für Heinz Holliger um.

Katharina von Glasenapp

Infos: www.opernhaus.ch

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