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Über die bunte Vielfalt des Menschen

Helga Pedross, Maria Fliri und Peter Bocek in „DI_VER*SE“ (v.l.). Mark Mosman

Helga Pedross, Maria Fliri und Peter Bocek in „DI_VER*SE“ (v.l.). Mark Mosman

Barbara Herolds neues Stück „DI_VER*SE“ wird morgen Abend uraufgeführt. Es geht um die Geschlechtervielfalt – ein polarisierendes Thema.

Von Lisa Kammann

Seit 2008 realisiert das Team des Vereins „dieheroldfliri.at“ Theaterprojekte mit aktuellen und relevanten gesellschaftspolitischen Themen. Für ihr Engagement, politische und tagesaktuelle Fragen am Theater zu behandeln, wurde die Regisseurin und Theatermacherin Barabara Herold 2017 mit der Ehrengabe des Landes ausgezeichnet.

2016 kam das Stück „Töchter des Jihad“ auf die Bühne, morgen wird die neue Produktion „DI_VER*SE“ im Alten Hallenbad uraufgeführt. Herold, die zusammen mit der Schauspielerin Maria Fliri und Klaus Mosbauer „dieheroldfliri.at“ gegründet hat, inszeniert damit abermals ein Stück, das ein für viele umstrittenes und provokantes Thema behandelt, wie Herold in einem Gespräch anmerkt.

Es geht dabei laut Untertitel um die „Vielfalt Mensch“, und zwar um die Geschlechtervielfalt. Dadurch, dass Menschen heutzutage sichtbarer sind, die sich nicht in das traditionelle binäre Rollenverständnis Mann oder Frau einpassen, ist die Geschlechterfrage kein striktes Tabu mehr. „Einerseits ist das Thema Mode, andererseits ist es immer noch sehr polarisierend“, meint Herold. Viele würden jede Identität, die abseits der offiziellen Geschlechtergrenzen liege, als widernatürlich und sogar pathologisch betrachten. „Wir sind für Biodiversität, aber bitte nicht beim Menschen“, fasst es die Regisseurin zugespitzt zusammen.

Unwissenheit spielt bei der aktuellen Debatte augenscheinlich eine Rolle, wenn es um Unsicherheiten in der Gesellschaft geht. Herold habe selbst im Zuge der Recherchen zum Stück einiges zu dem Thema erfahren, wie sie erzählt. „Ich habe viel über mein eigenes anerzogenes Rollenverständnis gelernt“, sagt die 1962 geborene Regisseurin. Die Auseinandersetzung mit dem Thema, das von Schauspieler Peter Bocek vorgeschlagen wurde, habe einen Mehrwert für die gesamte Truppe ergeben.

Interviews. Zentral für die Vorbereitungen zum Stück waren Gespräche mit einem Dutzend authentischer Personen, erklärt die Regisseurin: In Interviews mit Trans-, Transgender- und Inter*personen aus Wien, Vorarl­berg und Deutschland entstand die Vorlage zu dem Text. „Es waren sehr spannende und vertrauensvolle Gespräche.“ Dabei zeigte sich ein hoher Leidensdruck der Personen. Als Beispiel nennt Herold Inter*personen, die noch im Kindesalter mittels Operationen einem Geschlecht angepasst werden – mit weitreichenden Folgen, worunter Betroffene ein Leben lang leiden. Aber auch Diskriminierung und Ausgrenzung im Alltag spielen eine zentrale Rolle: Schon auf einem Formular „Mann“ oder „Frau“ ankreuzen zu müssen, könne bei den Betroffenen Druck erzeugen, so Herold.

Dieses Interview-Material wurde im Anschluss in Textform gebracht und in Ausschnitte geteilt, erklärt die Regisseurin. „Es gibt keine dramatische Handlung im klassischen Sinn“, sagt sie. Die drei Darsteller Maria Fliri, Helga Pedross und Peter Bocek geben die collagierten authentischen Aussagen wieder und treten dabei miteinander in Kommunikation. Mit Körper, Sprache und Gestus würden die Darsteller „typisch“ männliche und weibliche Verhaltensmuster demontieren, ist im Begleittext zu lesen.

Leichter Zugang. Das Stück sei keine Komödie, biete dem Publikum jedoch einen heiteren, leichten Zugang zum Thema. Humor sei ein Mittel, so Herold. Damit können auch etwaige Unsicherheiten besser überwunden werden. Zu diesem Zweck sei zudem im Programmheft ein Glossar mit verschiedenen Begriffen wie „transsexuell“ oder „non-binär“ zu finden.

Bis sich in der Gesellschaft ein breiteres, bunteres und vielfältigeres Geschlechterverständnis etabliert habe, werde es wohl noch einige Zeit dauern, so Herold. Es brauche immer noch viel Mut, sich zu outen. Diesen Menschen bringt die Regisseurin Hochachtung und Respekt entgegen.

DI_VER*SE

Das Stück wurde von Barbara Herold entwickelt und ist eine Koproduktion von dieheroldfliri.at mit dem KosmosTheater Wien und dem T : K Theater in Kempten. Die Uraufführung ist am Samstag, 10. März, um 20 Uhr im Alten Hallenbad Feldkirch. Weitere Termine: 13., 14., 15., 16. und 17. März, jeweils 20 Uhr. Ein Special gibt es am 17. März: ein ­Themennachmittag ab 14 Uhr in Kooperation mit dem Verein Amazone und GoWest mit verschiedenen Workshops und einer Podiumsdiskussion. Infos: www.dieheroldfliri.at, Tickets: www.v-ticket.at, 05522/73467.

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