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Alles bleibt fantastisch gleich

Sein „Engel mit der Posaune“ ist berühmt: In „Die Rückkehr“ erzählt Ernst Lothar von großer Sehnsucht und großer Ernüchterung.

Von Uschi Loigge

Im März 1938, acht Tage nach dem „Anschluss“, verlässt Felix von Geldern seine Heimatstadt Wien: Es ist ihm unerträglich, Deutscher zu werden. In New York arbeitet der Jurist als Buchhändler. Das Heimweh plagt ihn, bis er im Juni 1946 mit seiner Großmutter Viktoria nach Wien zurückkehrt, um die Geldangelegenheiten der Familie zu regeln.

Das Wien, das Felix verlassen hat, gibt es nicht mehr. Die Stadt liegt in Trümmern, Grinzing erscheint ihm als „Lourdes für Mutlose“, die Menschen ohne Hoffnung. Während die Großmutter nach dem Motto „Wer leben will, kann nicht für gestern leben“ ins Menuhin-Konzert geht und hohen US-Militärs auseinandersetzt, was ihrer Meinung nach falsch läuft, will Felix in Wien einfach nur glücklich sein. Es gelingt nicht, die Begegnungen mit seiner Mutter, mit einem ehemaligen Professor, mit früheren Freunden enden frustrierend. Die spontan geschlossene Ehe mit seiner tot geglaubten große Liebe endet fatal. Der Rückkehrer Felix ist nicht willkommen. Die Oper liegt in Schutt und Asche, nicht so die alten Ressentiments, Antisemitismus und nationalsozialistische Gesinnung. Man tut so, als wäre nichts gewesen.

Ernst Lothar ist wie sein Protagonist Felix im Exil zum Amerikaner geworden. Zurück im Nachkriegs-Wien, war der Regisseur, den Doron Rabinovici im Nachwort als eine Art „Wunderwuzzi von Wien“ vorstellt, für die Entnazifizierung der Künstler zuständig. Sein im Exil geschriebener „Der Engel mit der Posaune“ war ein Riesenerfolg, um den autobiografisch gefärbten Roman „Die Rückkehr“ machte man 1949 einen großen Bogen. Die Distanz von Jahrzehnten legt die Lektüre nahe, zumal in so manchem Keller (siehe Burschenschaften) noch immer Leichen liegen. Wie heißt es einmal so treffend: Alles ändert sich fantastisch, alles bleibt fantastisch gleich.

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