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Bregenz

Aus den Echokammern der Selbstbestätigung

Fritschs Werke sind aktuell auch in der Galerie Arthouse zu sehen. 

Fritschs Werke sind aktuell auch in der Galerie Arthouse zu sehen. 

Interview. Marbod Fritsch spricht über die Schau im Palais Thurn und Taxis und über seine aktuelle Arbeit.

Was kann ein Künstler heute noch bewirken?

Marbod Fritsch: Die Künstler sind entweder politisch, wie auf der Documenta in Kassel, oder teuer, für den hochpreisigen Weltmarkt. In diesem Zwiespalt sollten die Künstler versuchen, gesellschaftsrelevant zu sein, und wissen, wo sie in der (Kunst-)Geschichte stehen. Ein Künstler hat jedenfalls, so erlebe ich es in meinem Freundeskreis, immer eine bestimmte, auch gesellschaftskritische Rolle, die ihm zugewiesen wird.

Wie haben Sie die Künstler für die Ausstellung im Palais Thurn und Taxis ausgewählt?

Fritsch: Es handelt sich um Künstler, die mir „hängen geblieben sind“. Der Titel der Ausstellung „Manie“ und vor allem der Künstler Goya funktionierten da wie ein Türöffner. Viele heutige Künstler sind nach wie vor begeistert von den Desasters und der Skurrilität, wie sie Goya in seinem Werk sichtbar gemacht hat.

Ihre Ausstellung titelt „Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch“. Gab es dazu kritische Reaktionen? Meinten Sie damit auch Angreifer, die Sie über eine Internetplattform anonym verfolgten?

Fritsch: Mittlerweile ist Aggression in unserer Gesellschaft weitgehend akzeptiert, anders als etwa noch vor 15 Jahren. Deswegen gab es keine negativen Meldungen zu meinem Ausstellungstitel. Jetzt, wo sie es sagen: In der Tat ist es mir lieber, von Weltkunst um den Schlaf gebracht zu werden als durch irgendwelche Halbwissenden, die mich aus der Anonymität des Internet heraus zu treffen versuchen.

Ist echte Ergriffenheit durch Bildende Kunst heute noch möglich?

Fritsch: Es gibt viele Ausstellungen, die staunend und bewegt machen. Allerdings setzt das voraus, selbst die Bereitschaft zu haben, offen zu sein und sich immer noch verändern zu lassen. Die Kunst besitzt immer noch die Fähigkeit, den Menschen aus den Echokammern der Selbstbestätigung, sei es nun etwa ganz links oder türkis-schwarz, herauszuführen. Radikale Abstraktion ist übrigens auch ein politisches Statement.

Woran arbeiten Sie zurzeit?

Fritsch: Ich nehme zurzeit an einem Wettbewerb teil, für den Anfang April die Endentscheidung fällt. Zum Zeichnen finde ich momentan nicht die nötige Ruhe. Im November werde ich im Engländerbau in Vaduz einen riesigen wellenden Teppich realisieren und in Bludenz am Muttersberg entsteht ebenfalls eine Skulptur von mir.

Wolfgang Ölz

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