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Goya als Inspiration für Künstler

Birgit Knoechls Arbeit (links) und ein Werk von Bea Emsbach (kleines Bild).  

Birgit Knoechls Arbeit (links) und ein Werk von Bea Emsbach (kleines Bild).  

Marbod Fritsch hat fünf Künstler eingeladen, mit ihm im ­Palais Thurn und ­Taxis auszustellen.

Von Wolfgang Ölz

Wenn Marbod Fritsch das Palais Thurn und Taxis in Bregenz mit seinen Lieblingspositionen zum Thema Francisco di Goya bespielt, dann kommt da qualitativ hochwertige Kunst ins (Künstler-)Haus. Restlos überzeugend auch die eigenen Arbeiten von Fritsch in der Heimstatt der Vorarlberger Künstlervereinigung. Gleichzeitig mit der Goya-Ausstellung hat sich die transmediale Linzer Kunstklasse der beiden Gelitin-Künstler Ali Janka und Tobias Urban im Kellergeschoss des Künstlerhauses eingenistet.

Vielen Kunstinteressierten ist der Bregenzer Künstler Fritsch als Schöpfer der Bahnschranke im Harder Seebecken, dem Fallen Man im Feldkircher Reichenfeld oder dem Bühnenbild mit 10.000 Petflaschen für das Vorarlberger Landestheater ein Begriff. Weiters stieß letztes Jahr seine Skulptur „Biographie“ auf der Ruine Alt-Ems in Hohenems auf Resonanz.

Betreten erwünscht. Fritsch bespielt den parkseitigen Raum im ersten Obergeschoss des Künstlerhauses mit drei Konstellationen: Sofort fällt der riesige raumfüllende Teppich auf, der den Boden bedeckt und auf einer Seite auch zum Wandteppich wird. Der Künstler, Jahrgang 1963, hat an der Universität für angewandte Kunst in Wien eine Klasse zu Tapisserie besucht und kehrt mit seinen Teppicharbeiten quasi an seinen künstlerischen Beginn zurück. Er arbeitet hier mit seinem berühmten Kipp­effekt. Sobald der Kunstrezipient auf dem Teppich steht – und der Künstler wünscht das, da nur so das Kunstwerk fertiggestellt sei – erkennt dieser einen Schriftzug. Das Zitat des französischen Regisseurs Jean Luc Godard lautet: „Real ist, was zwischen den Dingen ist und nicht das Ding selbst“. Fritsch spielt auf die mystische Weisheit an, dass der Beziehung zwischen den Dingen und auch zwischen den Menschen allerhöchste Bedeutung zukommt.

Ein Siebdruck auf Glas „schmückt“ die dem Wandbereich des Teppichs gegenüberliegende Wand. „Still without titel“ problematisiert die Unbenennbarkeit der Welt und verweist mit seinen strichcodehaften schwarzen Linien auf die drohende Durchdigitalisierung der heutigen Welt. Besonders augenscheinlich ist allerdings die dritte Werkgruppe: Fritsch hat sich den ernsten Scherz erlaubt, sich selbst und Meister Goya als Sitzsäcke in den Raum zu stellen. Goya mit Knollennase und Fritsch mit Spitznase sitzen da und das Publikum soll sich durchaus auf sie draufsetzen.

Eine seltsame Seligkeit, die an säkulare Paradiese der Konsumgesellschaft erinnert, an große Möbelhäuser, in denen für wenig Geld hochwertiges Wohnzimmerdekor ersessen und erstanden werden kann.

Qualität. Fritsch hat fünf weitere Künstler eingeladen, sich frei von jeder kuratorischen Bevormundung über den Meister der dunklen und desaströsen Bilder, Francisco di Goya, Gedanken zu machen und etwas Materialisiertes beizusteuern. Die gesamte Ausstellung verfügt dabei über eine für Vorarlberg außergewöhnliche Qualität. Da ist etwa Alexandra Berlinger, die auf einer blauen Wandbemalung ihr persönliches digitales Desas­ter offenbart – als eine Flut von unsortierbaren und unkontrollierbaren Dateinamen, verteilt in einer auf Museumsraumgröße explodierten Desktopoberfläche.

Da ist Bea Emsbach, die beeindruckend meisterhaft, rot auf Bütten arbeitet und in seltsamen Reigen tanzende, nackte menschliche Figuren zeigt. Sie können schon mal direkt auf ­Goyas „Schlaf der Vernunft“ Bezug nehmen. Da ist Anton Henning, der die Visage der Simpsons genauso wie einen geistlichen Würdenträger als Ölgemälde festhält, die Materialität des Tafelbildes transzendiert und seltsamen bis komischen Motiven frönt.

Auch Drago Persic beweist im Erdgeschoss naturalistische Präzision und auch abstrakte Rätselhaftigkeit. Birgit Knoechl schließlich bringt im Dachgeschoss in ihren Schwarz-Weiß-Bewegungen eine unwahrscheinliche Dynamik auf die Bildfläche.

Im Keller haben sich Kunststudenten der Universität Linz breit gemacht. Ihre Arbeiten verlieren sich großteils in totaler Abstraktion oder semantischer Beliebigkeit. Die im Ausstellungsraum belassenen gigantischen Verpackungsmaterialien kaschieren das nur dürftig. Die heutige Gesellschaft macht es vor: Jenseits aller Recylingversprechen ist die Verpackung die alleinige Botschaft, da braucht es gar keinen Inhalt mehr.

„Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben…“. Bis 2. April im Palais Thurn und Taxis in Bregenz.

<p class="caption">Anton Henning: Die Simpsons als Ölgemälde. Klaus Hartinger (4)</p>

Anton Henning: Die Simpsons als Ölgemälde. Klaus Hartinger (4)

<p class="caption">Anton Henning: Die Simpsons als Ölgemälde. Klaus Hartinger (4)</p>

Anton Henning: Die Simpsons als Ölgemälde. Klaus Hartinger (4)

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