Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Bregenz

Ein Gesamtkunstwerk zum Auftakt des Bregenzer Frühlings 2018

Begeisternd, bewegend, verstörend: „Horses in the Sky“ von der Kibbutz Contemporary Dance Company beim Bregenzer Frühling. Eyal Hirsch

Begeisternd, bewegend, verstörend: „Horses in the Sky“ von der Kibbutz Contemporary Dance Company beim Bregenzer Frühling.

 Eyal Hirsch

Die Kibbutz Contemporary Dance Company eröffnete den Bregenzer Frühling mit „Horses in the Sky“.

Mit großer Begeisterung für eine ungemein dynamische Tanzkompanie ist der erste Abend des diesjährigen Bregenzer Frühlings angenommen worden. Im Bregenzer Festspielhaus gastierte die Kibbutz Contemporary Dance Company (kurz KCDC) unter der Leitung von Rami Be’er mit ihrem Programm „Horses in the Sky“, einem Gesamtkunstwerk von Bewegung, Sprache, Musik, Licht und Kostümen.

18 Tänzerinnen und Tänzer, bekleidet mit sandfarbenen, zerrissenen oder geschnürten Oberteilen und weißen Höschen, vereinigen sich immer wieder zu Gruppen und Paaren und behalten doch ihre Individualität. In ihrer Körpersprache erzählen sie von Angst und Bedrohung, sie kriechen, schleichen, krümmen und schütteln sich, verharren in Positionen, bilden Menschenknäuel, aus denen einer oder eine ausbricht. Eine große Gruppen­energie wird hier aufgebaut, die Kraft, Widerstand und Dynamik hat. Mit Licht – bald grell, bald diffus – und den musikalischen Wechselbädern baut Remi Be’er unterschiedliche Räume, die vom Tanz belebt werden.

Die schnelle Bewegung mit Sprüngen, raumgreifenden, eckigen oder aus dem klassisch-modernen Stil gespeisten Repertoire kontrastiert mit langsamen, erschöpften, symbiotischen Windungen am Boden oder fröhlicher Leichtigkeit. Getragen von einer teils heftig hämmernden Musik, elektronischen Beats und Scratching-Geräuschen, dann wieder von lyrischen Balladen oder witzigen Dixie-Banjo-Einwürfen ist die energiegeladene Bewegung auch ein Spiegel für die unterschiedlichste Musik. Der titelgebende Song von Silver Mt. Zion bildet ein Zentrum, ebenso wie das darin enthaltene Statement „Gewalt bringt mehr Gewalt, und Lügen bringen noch mehr Lügen“.

Eigene Gedanken. Doch Rami Be’er, der im Kibbutz Ga’aton geboren wurde, von Yehudit Arnon, der Gründerin der KCDC, ausgebildet wurde und die Kompanie seit 21 Jahren leitet, will nicht dozieren oder eine Geschichte von Holocaust-Überlebenden erzählen. Yehudit Arnon hatte als junge Tänzerin das KZ Auschwitz überlebt und sich geschworen, ihr Leben dem Tanz und der Tanzausbildung zu widmen, Be’er entstammt ebenfalls einer Familie von Holocaust-Überlebenden.

Die Bewegung, die Verschmelzung und Vereinzelung der Körper, die Gruppendynamik einerseits und die Isolation andererseits, die Energie im Wechsel von Spannung und Ruhe öffnen Räume für eigene Deutung und Assoziationen. Ob politische Aussage oder Stimmungsbild, ob Schwarmintelligenz, Herdentrieb oder einfach Tanzfreude, jeder und jede im Publikum wird eigene Gedanken gehabt haben – das macht dieses außergewöhnliche Tanzfestival schließlich aus und spiegelt sich immer wider in den lebhaften Diskussionen im Foyer.

Die knapp einstündige, kräftezehrende Performance von KCDC bewegt, verstört, begeistert, bietet sicherlich keine leichte Kost und hat in Zeiten politischer Umwälzungen und Gedenktage ihren besonderen Platz. Die nächste Aufführung des Bregenzer Frühlings mit „Hamlet“ von der Imperfect Dancers Company aus Italien ist bereits am kommenden Samstag im Festspielhaus.

Katharina von Glasenapp

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.