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Bregenz

Wie ein Mensch sich selbst erschafft

Hans Platzgumer: „Drei Sekunden Jetzt“, Zsolnay Verlag, 256 Seiten, 22,70 Euro. Rechts: Hans Platzgumer.  NEUE

Hans Platzgumer: „Drei Sekunden Jetzt“, Zsolnay Verlag, 256 Seiten, 22,70 Euro. Rechts: Hans Platzgumer.  NEUE

Der Bregenzer Autor Hans Platzgumer hat mit „Drei Sekunden jetzt“ einen lesenswerten Roman geschrieben.

François ist ein Findelkind. Als er ein Jahr alt war, setzte ihn die Mutter in einem Einkaufszentrum in Marseille aus – in einem Einkaufswagen, bedeckt mit Einkäufen, stellte sie ihn in der Bücherabteilung ab. So beginnt die Geschichte von François, dessen Leben von außen bestimmt zu sein scheint. „Ich bin ein weißes Blatt Papier, das jeder beschreiben kann, wie es ihm beliebt. Mein Lebenslauf besteht aus Gerüchten.“

François ist der Ich-Erzähler in Hans Platzgumers neuem Werk „Drei Sekunden Jetzt“. In seinen Abenteuern, die der junge Mann in seiner Heimatstadt Marseille, in New York und Montreal durchlebt, entfaltet sich ein Roman über ein Leben ohne Wurzeln, Freiheit, die Bedeutung der Gegenwart – und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schicksal, das François passiv zu akzeptieren scheint. Er lässt sich treiben, wird geführt durch seine Umwelt, die „Menschenwelt“, in die er sich als ein Gefundener hineingesetzt sieht.

Story des Lebens. Mit wenigen Sätzen vermittelt Platzgumer ein eindrückliches Stimmungsbild von Marseille, durch das François mit Lucy wandelt. Sie ist ebenfalls ein Findelkind, wurde in Senegal am Straßengraben „entsorgt“, und hat sich selbst trotzig aus dem Müll hervorgezogen. Mit ihrer „unbeugsamen Tatkraft“ ist sie François Gegenpart. Der junge Mann verlässt als Volljähriger das kleinbürgerliche Heim der Adoptiveltern, den strengen Ziehvater, und trifft zufällig auf einen Schulkollegen, le Boche (der Deutsche) genannt. In einem Hotel, das als Alibi für zwielichtige Geschäfte dient, übernimmt François kleinere Aufträge. Bis sich eines Tages ein Hotelgast einmietet, der sich, in Herausforderung des Schicksals, das Leben nimmt.

François’ Weg führt ihn nach New York. Getrieben von einer Verliebtheit fährt er nach Montreal, dem „Häuserhaufen“ inmitten einer Schneewüste. Auf seine Angebetete trifft er dort nicht, dafür geht ihm geht das Geld aus. Mit Müh und Not schafft es François wieder nach Marseille. Dort nehmen die Geschehnisse gegen Ende an Tempo zu, bis es zu einem überraschenden Ende kommt. Fest steht: „Wir alle sind doch immer nur die Story, die wir aus unserem Leben machen.“

Schnell liest sich Platzgumers Roman, der den Leser mit hineinzieht in François Abenteuer. Meist spannend und witzig ist das Werk, das auf eine lebhafte Art grundsätzliche Fragen des Menschen behandelt.

Hans Platzgumer liest heute um 20.15 Uhr im Theater am Saumarkt in Feldkirch aus seinem neuen Roman.

<p class="caption">Hans Platzgumer: „Drei Sekunden Jetzt“, Zsolnay Verlag, 256 Seiten, 22,70 Euro. Rechts: Hans Platzgumer.  NEUE</p>

Hans Platzgumer: „Drei Sekunden Jetzt“, Zsolnay Verlag, 256 Seiten, 22,70 Euro. Rechts: Hans Platzgumer.  NEUE

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